Montag, 10. Dezember 2018

Willi Bartels Der König von St. Pauli

2. Teil: Rechtschaffenen und Anschaffenden

Die Rechtschaffenen und die Anschaffenden

Seine Stimme schon. Aber man hört ihr auch an, dass sie klar benennen kann, was Bartels will. Distanziert, aber verbindlich. Hanseatisch. Er führt durch sein Hotel Hafen Hamburg, wo er immer noch "so vier bis fünf Stunden täglich" seinen Geschäften nachgeht. Auf dem Weg grüßen alle Bediensteten, aber nicht so, als ob er das von ihnen erwarten würde.

 Hier fühlt sich Bartels zu Hause: Hotel Hafen Hamburg, mit Blick über die St.-Pauli-Landungsbrücken
MATTHIAS KAUFMANN
Hier fühlt sich Bartels zu Hause: Hotel Hafen Hamburg, mit Blick über die St.-Pauli-Landungsbrücken
"Ich soll extrem reich sein?" Er gibt sich ein wenig konsterniert. Seine Assistentin hatte schon angekündigt: "Was das angeht, ist er bescheiden."

Doch wenn man nachhakt, zählt er auf, wo er in Hamburg überall Immobilien besitzt. Eine lange Liste, die er schließt mit: "... und in den vergangenen Jahren haben wir uns um den Bahnhof breit gemacht." Ganz wichtig: "Schreiben Sie nicht, dass ich mein Vermögen allein St. Pauli verdanke!"

Immerhin, damit wurde er berühmt. Nach dem Krieg begann er als Erster dort zu bauen, damals noch schwarz, um die Große Freiheit. Dort lernte er seine spätere Frau Gisela kennen, als sie noch als Tänzerin arbeitete. Vor rund dreißig Jahren baute er das Eros-Center, damals eines der berühmtesten Bordells Europas, mit rund 700 Betten auf Hotelstandard.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Nein, nein, als Kiez-König sieht er sich ganz und gar nicht. Auch im Eros-Center sei nie eine Frau für ihn anschaffen gegangen. Sein Geschäft sind Immobilien, das Etablissement war stets vermietet. Überhaupt sei das nicht seine Erfindung gewesen.

Das bestätigte damals die Kommunalpolitikerin Ingrid Jungesblut: "Die Idee mit dem Super-Bordell kam nicht von Bartels, sondern von unserem Frauen-Arbeitskreis!" Die Stadt suchte jemanden, der so etwas baut. "Das Eros-Center schützt die Rechtschaffenen vor den Anschaffenden", wie es der SPIEGEL damals erklärte.

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