Samstag, 23. Februar 2019

Michel Friedman Das Ende einer Affäre

Der CDU-Politiker, Moderator und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland akzeptiert einen Strafbefehl wegen Kokainbesitzes in Höhe von 17.400 Euro. Weil die Strafe über 90 Tagessätzen liegt, gilt der Anwalt nun als vorbestraft. Jetzt will er alle öffentlichen Ämter niederlegen.

Frankfurt/Main - Der TV-Moderator Michel Friedman hat einen Strafbefehl in Höhe von 17.000 Euro wegen Kokainbesitzes gegen ihn akzeptiert. Das sagte Friedmans Anwalt Eckart Hild am Dienstag in Frankfurt am Main. Der Strafbefehl des Amtsgerichts Berlin sei damit rechtskräftig.

"Ich habe viele Menschen enttäuscht": Michel Friedman
Gegen Friedman wurde in den vergangenen Wochen wegen des Verdachtes des illegalen Drogenbesitzes ermittelt, nachdem im Juni in seinen Privat- und Kanzleiräumen in Frankfurt am Main drei Päckchen mit Kokainresten gefunden worden waren.

Friedmann selbst erklärte am Dienstagmorgen, er werde alle öffentlichen Ämter niederlegen. Er habe viele Menschen enttäuscht, gestand er ein.

"Drogen in einer Lebenskrise, auch in meiner Lebenskrise, sind keine Hilfe", sagte Friedman. "Ich habe für das, was ich getan habe, eine Strafe bekommen und ich akzeptiere diese Strafe". Er bitte jedoch zugleich um eine neue Chance. Er bitte darum, nicht zu vergessen, dass die Drogenaffäre nicht sein ganzes Leben sei.

Alles begann mit Ermittlungen gegen Zuhälterring

Der CDU-Politiker sagte weiter, er habe einen Fehler begangen und müsse akzeptieren, dass er mit denselben Maßstäben gemessen werde, die er auch an andere anlege. Er entschuldigte sich bei seiner Lebensgefährtin, der TV-Moderatorin Bärbel Schäfer.

Ausgangspunkt der Affäre waren Ermittlungen der Berliner Justiz gegen einen osteuropäischen Zuhälterring. Beim Abhören von Handys der Zuhälter und auf Grund der Aussagen von Prostituierten waren die Fahnder laut Medienberichten auf den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland aufmerksam geworden. Am 4. Juni durchsuchten sie die Wohnung und die Kanzlei des auch als Rechtsanwalt tätigen Moderators in Frankfurt am Main und stellten dabei mehrere Tütchen mit Kokainresten sicher.

Paul Spiegel: Nachfolgefrage noch offen

Friedman selbst hatte sich mit Beginn der Kokain-Affäre völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und bis zu dieser Pressekonferenz am Dienstag in Frankfurt konsequent geschwiegen. Zuletzt waren auch aus dem Zentralrat der Juden Forderungen nach einem Rücktritt des Vizepräsidenten für den Fall laut geworden, dass Friedman nach Abschluss des Strafverfahrens gegen ihn vorbestraft sein sollte. Dies ist nach Expertenangaben bei einem Strafbefehl über 150 Tagessätze wie bei Friedman der Fall.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hat den Rücktritt seines Stellvertreters Friedman von allen öffentlichen Ämtern als "verantwortungsvolles Handeln" bewertet. "Es spricht für Friedman, dass er sich seiner Verantwortung gestellt hat gegenüber der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland", sagte Spiegel am Dienstag der dpa in Düsseldorf.

Dem Judentum in Deutschland und auch in Europa habe Friedman "jahrzehntelang mit großem Sachverstand und Engagement gedient", betonte der politische Vertreter von gut 100.000 in Deutschland lebenden Juden.

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