Montag, 17. Dezember 2018

Michael Stoschek Der Fensterheber

Aus den Kurbelkästen im VW Käfer sind elektronisch gesteuerte Fensterheber geworden. Und damit aus Brose, einem Familienbetrieb in der fränkischen Provinz, ein globaler Zuliefermulti. Bewerkstelligt hat das vor allem der Gründerenkel Michael Stoschek, der gerade seinen Vorstand umbaut.

Coburg - "Senioren gesucht" - eine überraschende Stellenanzeige, die im April vergangenen Jahres gleich in mehreren bayerischen Regionalzeitungen erschien. Dahinter steckte kein Schabernack. Der Inserent, Brose, ist ein properer Familienbetrieb, der seit knapp 84 Jahren wächst und gedeiht. Im oberfränkischen Coburg, das früher so nah am Eisernen Vorhang lag, dass es jahrzehntelang mit der Zonenrandförderung - die hieß wirklich so - gepäppelt werden musste.

Hat gut lachen: Gründerenkel Michael Stoschek
Brose also suchte Senioren. Nicht, weil junge Hüpfer plötzlich out wären. Sondern, um in der Belegschaft "die gesunde Mischung zu erreichen", wie Firmenchef Michael Stoschek in mehreren Interviews erläuterte. Dem Autozulieferer geht es so gut, dass er in den vergangenen Jahren reihenweise Hochschulabgänger einstellen konnte. Jetzt will Stoschek sein Unternehmen mit Erfahrung, Führungswissen und Routine auffüllen.

"Es gibt 60-Jährige, die sind topfit", sagt Stoschek. In vier Jahren wird man das aller Voraussicht nach auch von ihm behaupten können. Bis dahin aber will er selbst nicht mehr an der Spitze von Brose stehen - für seine Nachfolge ist von einem Zeitraum von zwei Jahren die Rede. Offenbar legt er an der Spitze von Brose doch Wert auf unverbrauchte Kräfte.

Erst in dieser Woche berief er den 41-jährigen Klaus Deller in die Geschäftsführung, der künftig für den pensionierten Adolf Rosensprung den zentralen Vertrieb leiten wird. Darüber hinaus erweiterte das Gremium um den 56-jährigen Bernhard Fischenich. Stoscheks Kinder sind bereits mit im Geschäft. Wer von ihnen allerdings seinen Platz einnehmen wird, darüber schweigt er sich aus.

Kein schlechter Platz, denn das Geschäft könnte besser kaum laufen. Der Familienbetrieb ist eines dieser Unternehmen, welche "Die Zeit" in einer eigenen Reihe als "kleine Weltmeister" feierte: Sie sind als Firma fast unbekannt, mischen aber in ihrem Segment an der Weltmarktspitze mit und schaffen selbst in der Krise noch Arbeitsplätze.

Der agile Firmenchef war Springreiter, zweimal bayerischer Landesmeister. Und er fährt noch heute für sein Leben gern Rallye. Mit Geschick und Technik kann er da die anderen abhängen. Bei Fensterhebern, heute ein Hightech-Produkt, sind die Coburger nach eigenen Angaben Marktführer, ebenso bei Autotürsystemen.

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