Mittwoch, 14. November 2018

Klöco "Wir sind froh, dass Droege weg ist"

Erleichterung beim Stahlhändler Klöco: Der frühere Treuhänder Walter Droege zieht sich von seinem Aufsichtsratsposten zurück. Ihm wird vorgeworfen, das malade Unternehmen in seinem ganz privaten Interesse geschröpft zu haben.

Duisburg - Walter Droege (50), Unternehmensberater und umstrittener Aufsichtsratschef des Duisburger Stahlhändlers Klöckner & Co. (Klöco), zieht sich aus dem Unternehmen zurück. Nachfolger an der Spitze des Kontrollgremiums wurde Erich Bauer aus dem Vorstand des Leverkusener Automobilzulieferers TMD Friction.

Aufatmen: Firmenzentrale der Klöckner & Co in Duisburg
Damit wird der Schlussstrich unter die zweite Mesalliance gezogen, die Klöco in wenigen Jahren in Folge durchmachte. Aus Unternehmenskreisen hieß es gegenüber manager-magazin.de: "Wir sind froh, dass Droege weg ist." Zwar "geistern noch einige seiner Berater durch die Flure", um "gewisse Abwicklungsarbeiten" zu Ende zu bringen, aber mit seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat ist die Ära Droege bei Klöco praktisch beendet.

Droege war im März 2002 von der WestLB als Treuhänder eingesetzt worden, um das Unternehmen zu sanieren. Zuvor hatte der frühere Mehrheitseigner von Klöco, die Londoner Balli-Gruppe, das Unternehmen mit Finanzschiebereien in die tiefste Krise seit seiner Gründung gestürzt. Droege, bekannt als entschlossener, aber nicht gerade selbstloser Sanierer, sollte das Unternehmen auf Vordermann bringen.

Vorwurf der Selbstbereicherung

Doch schon im vergangenen Oktober klagten mehrere Aufsichtsratsmitglieder, Klöco werde von Droege nicht saniert, sondern ausgeschlachtet. Besonders deutlich wurde der frühere Aufsichtsrat Georg von Waldenfels in einem an den Vorstand. Nach seiner Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden habe Droege, so von Waldenfels, seiner Unternehmensberatung "einen Beratungsauftrag für die Restrukturierung" des Konzerns gesichert, "der - mit entsprechendem Bonus 2003 - zu einem zweistelligen Millionenbeitrag für Herrn Droeges Unternehmen führt". Ein Konkurrenzangebot habe er nicht eingeholt.

Von mehreren Seiten wurden dem Berater die Misserfolge bei dem Versuch angelastet, Klöco zu verkaufen. Der Verdacht: Droege wolle damit den Preis drücken, um selbst einzusteigen.

Seine Beratungsgesellschaft soll sich bereits in der Vergangenheit mit nicht immer sauberen Methoden an Kunden bereichert haben: Das gesammelte Wissen wird genutzt, um Anteile zu Dumpingpreisen zu erwerben. Droege ist mittels verschiedener unternehmensrechtlicher Konstrukte unter anderem am Pharma-Konzern Madaus und am Motorradausstatter Eurobike beteiligt.

"Bei Droege kann ich nicht sinnvoll mitarbeiten"

Die Proteste aus dem Aufsichtsrat blieben zunächst fruchtlos. Ende Januar schließlich traten HDW-Chef Helmut Burmester, Stahlunternehmer Jürgen Großmann und rg von Waldenfels aus dem Gremium unter Protest zurück: "Mit diesem Aufsichtsratsvorsitzenden in diesem Aufsichtsrat kann ich so nicht mehr sinnvoll mitarbeiten", setzte von Waldenfels den Schlusspunkt.

Da alle Versuche eines Verkaufes von Klöco scheiterten, übernahm im Mai die WestLB selbst die Anteilsmehrheit. Damit endete die Treuhandschaft Droeges, der Rückzug wurde eingeläutet. Das Unternehmen kündigte an, dass in der Aufsichtsrat in vier Wochen wieder komplett sei.

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