Freitag, 14. Dezember 2018

Ceyoniq "Luftrechnungen" gestanden

Ein früherer Vorstand des ehemaligen Nemax-Unternehmens gibt zu, mit manipulierten Bilanzen Kredite in Millionenhöhe erschwindelt zu haben.

Bielefeld - Der Verdacht der Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Vorstand der Softwarefirma Ceyoniq AG Börsen-Chart zeigen hat sich bestätigt. Der Ex-Manager Thomas Wenzke gestand am Montag vor dem Landgericht Bielefeld, mit "Luftrechnungen" in Millionenhöhe Bilanzen seines Unternehmens geschönt zu haben.

 Geständig: Thomas Wenzke, hier mit seinem Ex-Kollegen Jürgen Brintrup (r.)
Geständig: Thomas Wenzke, hier mit seinem Ex-Kollegen Jürgen Brintrup (r.)
Zum Auftakt des Betrugsprozesses sagte der 39-jährige, er habe damit versucht, die angepeilten Umsatz- und Gewinnzahlen zu erreichen. Der Gesamtschaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf insgesamt 52 Millionen Euro.

Der Staatsanwalt legte dem Angeklagten zur Last, bei mehreren Jahresabschlüssen der Computer Equipment (CE) AG und der späteren Ceyoniq AG mit fingierten Aufträgen sowie Luftbuchungen gerechnet zu haben. Auch Wirtschaftsprüfer seien belogen worden. Hierdurch habe Wenzke unter anderem erfolgreich Kredite bei verschiedenen Banken erhalten.

Unterschriften in Vertragsentwürfe hineinkopiert

In einem Fall soll Wenzke zwei Aufträge von Sparkassen-Informatik-Unternehmen über 9,5 Millionen Euro für die CE AG selbst geschrieben haben. Hierfür habe er Original-Unterschriften ausgeschnitten und in die Auftragspapiere hineinkopiert, was Wenzke vor Gericht eingestand. Mit diesen Unterlagen habe der 39-jährige den Jahresabschluss 1998 nachträglich geschönt und hierdurch in der Folge 38 Millionen Euro Bankkredite erhalten.

Wenzke hatte 1984 als Informatikstudent seine erste Software-Firma gegründet. 1998 wurde die CE AG an den Neuen Markt der Börse gebracht, der Aktienkurs erreichte seinen Höchstwert bei 170 Euro. Das Unternehmen für Dokumentensoftware beschäftigte in Spitzenzeiten nach eigenen Angaben bis zu 1000 Mitarbeiter weltweit.

Im April 2002 hatte die Ceyoniq AG, Nachfolgerin der CE AG, Insolvenz angemeldet. Wenzke und sein Vorstandskollege Hans-Jürgen Brintrup wurden festgenommen. Die Nachfolgegesellschaft, die Ceyoniq GmbH, beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit 110 Mitarbeiter.

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