Freitag, 16. November 2018

Mannheimer Spät gekommen, zu viel riskiert

Der Rücktritt von Hans Schreiber als Vorstandschef der Mannheimer Versicherung bringt Unruhe in die Branche, deren Basis Vertrauen ist. Nun droht der erste Fall für den Protector.

Mannheim/Hamburg - Leicht dürfte Hans Schreiber der Rücktritt nicht gefallen sein. Schließlich hatte der Vorstandschef der Mannheimer Versicherung den einst verschlafenen Transport- und Industrieversicherer zu einer "Perle" des MDax, zu einem erfolgreichen Lebens- und Krankenversicherer Börsen-Chart zeigen geformt.

Umstrittener Hansdampf:
Ex-Mannheimer-Chef Schreiber
Das Tempo, das er dabei vorlegte, war atemberaubend. Für diese Branche einfach zu schnell, wie Kenner sagen. Doch das ist Vergangenheit: Ob freiwillig oder nicht - am Freitag zog Schreiber die Konsequenz aus der tiefen Finanzkrise, in die er das Unternehmen bugsiert hatte.

Sollte sich kein neuer Investor finden oder ein neues Sanierungskonzept die Großaktionäre und die Finanzaufsicht überzeugen, droht der Gruppe die Zerschlagung, sagen Analysten. Dann müsste die Versicherungswirtschaft mit der Mannheimer Lebensversicherung allerdings auch ihre erste große Pleite zur Kenntnis nehmen. Der Imageschaden für die gesamte Branche wäre groß. Schließlich sind Lebensversicherungen Generationenprodukte und das Geschäft gründet auch und vor allem auf Vertrauen.

Ruinöser Wettbewerb - Flucht ins Risiko

Doch jenseits des Imageschadens ist fraglich, ob die Konkurrenten, die jetzt zum Teil als potenzielle neue Kapitalgeber einspringen könnten, Schreiber wirklich eine Träne nachweinen. "Er war nicht sonderlich beliebt in der Branche", sagt ein Kenner im Gespräch mit manager-magazin.de.

Spät, vielleicht zu spät, stieß er in den Markt der Lebensversicherer vor. Folglich aggressiv ließ er seine Produkte vermarkten und konnte durch ungewöhnlich hohe Provisionen etwa MLP als Vertreiber gewinnen. Die Gewinne sprudelten. Die Wachstumsstory kam an, die positiven Schlagzeilen waren Schreiber sicher. Da konnte schon Neid aufkommen.

Mit seinem schnellen Vorstoß in das Leben- und Krankenversicherungsgeschäft habe sich Schreiber aber vergaloppiert, meint Marco Metzler, Analyst von Fitch Ratings. "Im Bereich der Lebensversicherungen tobte bereits zum Zeitpunkt des Markteintritts der Mannheimer über die Höhe der Gewinnbeteiligung ein ruinöser Wettbewerb", sagt Metzler im Gespräch mit manager-magazin.de.

Dabei sei schon 1997/98 das Zinsniveau sehr niedrig gewesen. Vor diesem Hintergrund gingen zahlreiche Versicherer den Weg in risikoreichere Aktien-Anlagen. Zumindest bis zum Jahr 2000 mochte die Rechnung aufgehen, dann allerdings drehte der Markt.

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