Montag, 17. Dezember 2018

Claus Hipp Glück im Glas

"Der spinnt, der Hipp", gärte es unter den Bauern. Die Einführung des ökologischen Landbaus machte dem Kinder-Kulinaren erst viel Ärger, doch der Erfolg gibt ihm Recht. Auch sonst mag es Claus Hipp biologisch-idyllisch und fährt lieber mit dem Fahrrad als mit Chauffeur.

Pfaffenhofen - Der Deckel schnalzt laut und gleitet blechern vom Glasgewinde. Er gibt den Duft erntefrohen Obstes frei, pürierte Äpfel und Bananen. Ganz von selbst gesellt sich das Bukett von Mamas Abspülschürze dazu, der räudige Muff von Struppis Fell und das Aroma frisch gebrühten Pfefferminztees. Eine nestwarme Erinnerung von Frieden und Umsorgtsein - ah, Mutterleib!

Leuchtende Kinderaugen, leuchtendes Vorbild: Claus Hipp
Wie sorglos war doch die Kindheit, die sich viele Erwachsene mit einem Glas Babynahrung zurückholen. Eine Traumwelt, freilich, ebenso wie das Leben dessen, der Kindheit im Glas anrührt; 60 Prozent des deutschen Marktes beherrscht er.

Claus Hipp lebt auf einem Bauernhof in der Nähe von Pfaffenhofen, mit seiner Frau, fünf Kindern, 20 Pferden, 80 Kühen. Vor der Fahrt ins Büro schließt der promovierte Jurist die Dorfkirche auf. Bevor er heimkommt, fährt er ins Atelier, um zu malen. Ein traumhaftes Unternehmeridyll.

Glaubt man Trendforschern, so werden künftig immer mehr und immer rührseligere Verbraucher zu Produkten greifen, die ihnen eine gute alte Zeit zurückholen. Seien es die Goldenen Zwanziger, die Swinging Sixties oder - und das spielt eine besondere Rolle - die eigenen Kindheitstage. Glaubt man Geschäftsleuten wie Claus Hipp, haben die Trendforscher Recht. Seine Breie im Glas machen nicht nur Kinderwangen glühen, sondern Erwachsenenherzen blühen. Zumal der geschmackliche Flashback in die Zeit von Puppenspiel und aufgeschürften Knien ja gesund sein soll und hip.

Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein in Hipps Babywelt, auch wenn die Geschäftsidee todsicher scheint. Schließlich ist Müttern nichts gut genug für ihre Kinder und dem Menschen nichts so schwer auszutreiben wie die eigene Vermehrung. Schlussfolgerung: Für Babynahrung in Premiumqualität müsste es ewig einen Markt geben.

Pustekuchen. Die Deutschen werden sparsamer, gerade wenn es ums Kinderkriegen geht. Das weiß natürlich auch Geschäftsmann Hipp: "Wir müssen damit rechnen, dass jede künftige Generation um ein Drittel weniger Kinder hat", stellt er nüchtern in Interviews fest. Außerdem bieten andere Hersteller ihr püriertes Gemüse meist billiger an. Um diesen Sorgen zu begegnen, hat Hipp zwei Rezepte: Zum einen will er Trendführer sein, etwa bei allergievermeidender Kost, zum anderen setzt er konsequent wie kein anderer auf biologischen Landbau.

Sein Labor entdeckte Nitrofen

Nicht in jedem Fall gereicht ihm das zum Vorteil. Nitrofen wurde in seinem Labor entdeckt - in einer Charge Putenfleisch eines Zulieferers, die nie die Produktionsanlagen erreichte. In den Nachrichten klang es aber zuweilen so, als habe der saubere Öko-Kulinare den Schadstoffskandal verursacht. Kein deutsches Lebensmittellabor prüft standardmäßig auf so viele unterschiedliche Schadstoffe wie Hipp - woanders gab es schlicht keine Nitrofen-Kontrollen.

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