Mittwoch, 21. November 2018

Karriere Die Masochisten von der Texterschmiede

Erst wird kräftig gesiebt, dann gerackert, oft mit Arbeitstagen von 13 Stunden. Wer sich bei der Texterschmiede in Hamburg ausbilden lässt, beweist einen gewissen Masochismus. Doch nicht nur deswegen gilt die Eliteschule als glänzende Vorbereitung für die Karriere als Werbetexter.

Wie langlebig sind Trends? Wie beeinflussen sich Medien und Werbung? Und was ist der Trend in diesem Jahr? Die 30 Studenten der Hamburger Texterschmiede nutzen die Gelegenheit, mit Oliver Perzborn, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Trendbüro, einen Fachmann aus der Praxis vor sich zu haben.

Rauchende Köpfe: Copy-Training mit Dozent Jürgen Nerger
Wie an jedem Abend der Woche sitzen sie im Vorlesungsraum eines ehemaligen Fabrikgebäudes in der Hamburger City-Süd, Männer und Frauen gleich verteilt. Und sie ackern dafür, ihrem Ziel Stück für Stück näher zu kommen: Werbetexter zu werden. Sieben Monate dauert die Ausbildung, ab dem nächsten Block, der im Oktober beginnt, zwölf Monate.

Der abendliche dreistündige Unterricht ist der Abschluss eines langen Tages für die Nachwuchstexter. Sie sind für die Ausbildung aus ganz Deutschland in den Norden gekommen, je zwei auch aus der Schweiz und Österreich. Neun Stunden haben die Text-Azubis bis dahin schon möglichst kreativ in "ihren" Agenturen verbracht - bei Profi-Werbern, die sie für die Dauer der Ausbildung in Hamburg unter ihre Fittiche genommen haben.



Bei Digitalen Medien / Websites lagen "Die Krieger des Lichts" vorn, eine Agentur für Marken- und Unternehmenskommunikation mit einem ungewöhnlichen Internetauftritt (www.dkdl.de) Die Agentur Scholz & Friends dachte sich einen Riesen-Duftbaum aus - als Hinweis auf das besonders große Führerhaus in Lkw von Mercedes-Benz. Die Mailing-Aktion erhielt beim ADC Silber in der Kategorie Dialogmarketing Mailings und Anzeigen. Auszeichnungen gab es auch in der Kategorie Verkaufsförderung, zum Beispiel für die "Biegebank"-Idee für Kellog's Special K (von der Agentur Michael Conrad & Leo Burnett )
Momentan ist Gerhard Schröder im Umfragetief versackt - für die SPD-Kampagne "Der Kanzler" jedoch räumte die KNSK Werbeagentur in der Kategorie Fotografie ab. Auch für Brot kann man gute Motive finden: Werbung für "Dat Backhus", Sieger in der Kategorie Plakate und Poster (Springer & Jacoby) Gewinner bei den Anzeigen in Tageszeitungen: Der Beileger "La Dolce Vita" für Mercedes-Benz, der hier für die S-Klasse wirbt (von der Werbeagentur Springer & Jacoby) Bei den Fachanzeigen ausgezeichnet: "Bierbauch" von Scholz & Friends
Bekam bei den Publikumsanzeigen Bronze: "Gefährlich glatte Haut", Anzeige für fenjal lotus (Agentur Jung von Matt) Preise gab es auch für elegant gestaltete Zeitschriftentitel, etwa für das Motiv, mit dem die "Wirtschaftswoche" das Thema EU-Beitritt der Türkei umsetzte Als preiswürdig gilt die "Bild" eher selten, aber die Idee zum Achtelfinale bei der Fußball-WM beeindruckte die Jury: "Hier nur Lesen, wenn wir gewonnen haben! Sonst Zeitung umdrehen..." "Kommunikation im Raum" bildet beim ADC eine eigene Kategorie: Silber erhielt der "Wall Showroom" ( von der Triad Berlin Projektgesellschaft und der ART+COM Medientechnologie und Gestaltung AG)
Werbung für den Kirchentag ist vielleicht nicht gerade der Traum jedes Werbers, aber die Agentur Scholz & Friends machte daraus... ...eine subtile Kampagne mit einem Heiligenschein und dem Slogan "Ihr sollt ein Segen sein" - Gold bei den Kunst-, Kultur- und Veranstaltungsplakaten Gold für Zeitschriftengestalung: Das Kid's Wear Magazine Eine weitere Seite aus dem Kid's Wear Magazine


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"13 Stunden bin ich am Tag unterwegs", sagt Tobias Grimm, ein 22-jähriger Saarländer. Doch der lange Arbeitstag scheint den Werbernachwuchs nicht zu stören. "Das ist ein gutes Training", meint Sebastian Kopp, 21 Jahre alt, und aus der Nähe von Münster.

Tagsüber ackern, abends büffeln

Das sieht auch Veronika Claßen so. Neben Detlef Gerlach und Armin Reins ist sie Gründerin der Texterschmiede, mit zahlreichen Preisen gelobte Kreative und außerdem Dozentin an der Schule. "Irgendwann kommt immer der Kulturschock - und ich bin dafür, dass er sehr früh kommt." Die Neulinge müssten die richtige Vorstellung davon bekommen, was sie erwartet. Insofern seien die langen Arbeits- und Unterrichtszeiten eine praxisnahe Erfahrung. Eine Erfahrung, die fast alle durchhalten: Nur selten komme es vor, dass jemand wegen der zeitlichen Belastung abspringt, sagt Pressereferentin Gabriela Friedrich.

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