Freitag, 22. März 2019

Babcock Borsig Razzia bei Friedel Neuber

Der ehemalige WestLB-Chef bekam Besuch von der Staatsanwaltschaft. Hintergrund sind die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Untreue und Insolvenzverschleppung bei Babcock.

Hannover - Die Staatsanwaltschaft durchsucht nach Angaben aus Kreisen die Geschäftsräume der TUI AG, Hannover, der WestLB AG, Düsseldorf/Münster, und die Privaträume des früheren WestLB-Vorstandsvorsitzenden Friedel Neuber. Die zur Stunde anhaltenden Hausdurchsuchungen stünden im Zusammenhang mit den Ermittlungen um den insolventen Babcock-Borsig-Konzern Börsen-Chart zeigen, erfuhr vwd am Dienstag aus informierten Kreisen.

 Im Visier des Staatsanwalts: Friedel Neuber
AP
Im Visier des Staatsanwalts: Friedel Neuber
Ein Sprecher der WestLB sagte, die Durchsuchungen bei der Bank seien mittlerweile abgeschlossen. Ob die Ermittler Material beschlagnahmt haben oder ob das Büro des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Friedel Neuber betroffen war, sagte er nicht.

Das Verfahren richte sich nicht gegen die WestLB, betonte der Sprecher. Neuber ist bei Babcock derzeit noch Aufsichtsratsvorsitzender und war im Zusammenhang mit der Insolvenz des ehemaligen MDax-Konzerns in die Kritik geraten.

Bei der TUI AG sind die Ermittler derzeit noch im Einsatz. Hier stehen offenbar Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel und Finanzvorstand Rainer Feuerhake wegen ihrer Funktion in den Aufsichtsräten von Babcock und deren früherer Tochter HDW im Mittelpunkt.

Bundesweit 60 Beamte im Einsatz

Die Durchsuchungen hätten am Dienstag in den frühen Morgenstunden begonnen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter. Bundesweit seien 60 Beamte im Einsatz. Neben dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung bestehe auch ein Anfangsverdacht, dass der Howaldtswerke - Deutsche Werft AG (HDW), Kiel, im Rahmen des Cash Clearings im Konzern illegal Liquidität entzogen wurde.

Bereits vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ihr Ermittlungsverfahren wegen der Insolvenz von Babcock Borsig ausgeweitet hat.

Auch TUI-Chef Michael Frenzel unter Verdacht

Neben dem ehemaligen Vorstandschef Klaus Lederer wird nach Angaben von Oberstaatsanwalt Bernhard Englisch gegen sieben weitere Manager von Babcock und TUI Börsen-Chart zeigen (vormals Preussag) und der Kieler Werft HDW wegen Insolvenzverschleppung und Untreue beziehungsweise Beihilfe ermittelt. Zu den Beschuldigten gehörten der Babcock-Aufsichtsratschef und ehemalige WestLB-Chef Friedel Neuber und TUI-Chef Michael Frenzel.

Außerdem seien Ermittlungen gegen zwei weitere ehemalige Babcock- Vorstände, gegen TUI-Finanzvorstand Rainer Feuerhake, einen ehemaligen Finanzvorstand der Kieler Werft HDW und einen weiteren Babcock-Mitarbeiter aufgenommen worden, sagte Englisch. Wegen Insolvenzverschleppung und Untreue ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit dem vergangenen Juli gegen den ehemaligen Babcock-Chef Klaus Lederer.

Schaden wissentlich in Kauf genommen?

"Grob gesagt geht es um den Vorwurf, dass die Kieler Werft zum Schaden für HDW in das Cash-Clearing des wackeligen Babcock-Konzerns einbezogen wurde", erläuterte Oberstaatsanwalt Bernhard Englisch. Bei diesem Verfahren wurden alle Gewinne der Werft von der Konzernmutter vereinnahmt. Dies soll unter anderem von Feuerhake als Aufsichtsrat bei HDW mit bewerkstelligt und von seinem Chef Frenzel gedeckt worden sein.

"Es ist zudem schwer vorstellbar, dass Neuber als Chef der an allen betroffenen Firmen beteiligten WestLB von all dem nichts gewusst hat", sagte Englisch. "Möglicherweise wurde ein Schaden für HDW in Kauf genommen, um den Umbau von der Preussag zur TUI zu bewerkstelligen und Babcock über Wasser zu halten."

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