Mittwoch, 21. November 2018

Haffa-Prozess Streiter für Scheue und Reiche

Er steht den Haffas bei. Anwalt Sven Thomas will "nicht jedermanns Liebling" sein.

Düsseldorf - Die tiefe Stimme und das markante Gesicht sind ihm zweifellos von Nutzen. Seit 25 Jahren ist Sven Thomas Rechtsanwalt. Derzeit sieht man ihn oft im Fernsehen. Schulter an Schulter steht der 55-Jährige dann stoisch im Blitzlichtgewitter neben den Reichen und Mächtigen der Republik.

Der Düsseldorfer Advokat ist einer der gefragten Wirtschafts-Strafverteidiger des Landes. Vorstandsvorsitzende und Politiker bevorzugen seinen Rat, wenn sie in Schwierigkeiten sind.

An der Seite von Thomas Haffa und Klaus Esser

Thomas' Kanzlei liegt in bester Lage am alten Düsseldorfer Landtag. Erst vor kurzem hat der Jurist dem Wuppertaler Oberbürgermeister Hans Kremendahl (SPD) in einem Korruptionsprozess zu einem Aufsehen erregenden Freispruch verholfen. Siemens-Chef Heinrich von Pierer hat er früher einmal in den Zeugenstand begleitet.

Zur Zeit ist der Strafrechtler oft in München, um EM.TV-Vorstand Florian Haffa als Sieger aus dem Gerichtssaal begleiten zu können. Ex-WestLB-Chef Friedel Neuber und Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser zählen ebenfalls zu seinen aktuellen Mandanten.

"Nicht jedermanns Liebling sein"

Im Auftrag Essers arbeitet Thomas daran, den wohl spektakulärsten deutschen Wirtschafts-Strafprozess zu verhindern. Es geht um die umstrittenen Millionen-Abfindungen bei der Rekord-Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone. Als Verteidiger schreckt der Jurist dabei auch vor umstrittenen Mitteln nicht zurück, überzieht Generalstaatsanwälte mit Verfahren und versucht sogar offen, den nordrhein-westfälischen Justizminister für seine Mission zu gewinnen.

"Ich muss ein Kraftfeld für meinen Mandanten sein, nicht jedermanns Liebling", sagt Thomas. Ein so ungewöhnliches Verfahren erfordere außergewöhnliche Maßnahmen.

In "Kampfsituationen" müsse ein Anwalt die Ermittler angreifen, wenn es notwendig sei - "auch wenn es denen keine Freude macht und die Höflichkeit auf der Strecke bleibt". Wenn es sein muss, verwendet er hunderte Stunden auf einen Fall. Sein Plädoyer kann sich schon mal über mehrere Prozesstage strecken. Dann zwingt sich Beobachtern der Eindruck auf, der Advokat sei von seiner Mission besessen.

Verhandlungsbeginn ist erste Niederlage

Wenn im Gerichtssaal die Hauptverhandlung beginnt, ist die erste Schlacht für ihn bereits verloren, denn "80 bis 90 Prozent der Fälle" in seiner Kanzlei werden diskret und ohne öffentliche Verhandlung abgewickelt - was Thomas das Dilemma beschert, über seine erfolgreichsten Interventionen nie öffentlich sprechen zu können.

In Strafsachen sind seine prominenten Klienten sehr publikumsscheu, deswegen kommt der frühen Intervention eine zentrale Rolle zu. Schon auf der Homepage der Kanzlei wird das adäquate Verhalten bei Unternehmens-Durchsuchungen mitgeteilt.

Wo seine Einsätze dennoch publik werden, lesen sie sich wie deutsche Justizgeschichte: In der Flick-Affäre verteidigte er Otto Graf Lambsdorff, im Herstatt-Bankenskandal Bernhard Graf von der Goltz - in der NRW-Flugaffäre vertrat er die Interessen der WestLB - zum Nutzen nicht zuletzt von Johannes Rau.

In den Skandalen um überteuerte Herzklappen und Aidsviren- verseuchte Blutkonserven stand der frühere Vize-Präsident des Deutschen Anwaltvereins ebenfalls im Brennpunkt. Angesichts seiner betuchten Klienten muss der 55-Jährige die Geldsorgen vieler Kollegen nicht teilen. Stundensätze von 300 bis 400 Euro sind in dieser Anwaltsliga üblich.

Von Frank Christiansen, dpa

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