Donnerstag, 15. November 2018

Otto Beisheim Otto der Umtriebige

Die Metro machte ihn zum Milliardär. Längst aber mischt Otto Beisheim auch in anderen Bereichen der Wirtschaft kräftig mit: Der Cash-and-carry-Pionier gilt als einer der größten Internetunternehmer Europas. Mit einem gigantischen Hochhauskomplex in Berlin feiert er nun seinen 80. Geburtstag.

Hamburg - Die Lehrer waren zufrieden. Der Sohn eines Gutsverwalters aus Vossnacken galt als ausgesprochen guter Schüler. Doch die Eltern hatten nicht das Geld, ihrem Otto den Besuch des Gymnasiums zu finanzieren. Statt des Abiturs machte der Junior deshalb eine Lehre in der Lederindustrie.

Cash-and-carry: Eine Geschäftsidee, die Otto Beisheim nach oben brachte
Auch ohne die "höhere Schule" besucht zu haben, wurde Otto Beisheim einer der reichsten und mächtigsten Männer der Republik. Nachdem er im Elektrohandel bis zum Prokuristen aufgestiegen war, machte er sich schließlich 1964 mit einem Cash-and-carry-Großhandel selbstständig.

Bei dieser Geschäftsform wird auf teure Lieferungen verzichtet. Die Kunden bezahlen ihre Waren sofort und nehmen sie gleich selbst mit. Die Idee dazu kam Otto Beisheim angeblich bei einem USA-Besuch. Anderen Quellen zufolge soll er sich das Konzept bei der Großhandlung "Terfloth & Snoek" abgeschaut haben.

Milliarden durch Cash-and-carry

Metro machte nicht nur Beisheim zum Multimilliardär. Auch die Familien Schmidt-Ruthenbeck und die Haniel-Holding verdanken ihren Wohlstand zu einem Gutteil dem Erfolg des Großhändlers. Die Brüder Michael und Reiner Schmidt-Ruthenbeck waren Spar-Großhändler im Ruhrgebiet und wurden wegen ihrer Branchenerfahrung mit an Bord genommen. Die Haniel-Dynastie, durch Kohle und Stahl zu Wohlstand gekommen, suchte eine lukrative Geldanlagemöglichkeit und stieß 1967 hinzu.

Um die Großhandelsmärkte herum ist mittlerweile ein Imperium entstanden, das sein Geld außer in den Handel auch in Internetfirmen und Immobilien investiert. Über die Beisheim Holding Schweiz (BHS) hält der Multimilliardär derzeit rund 70 Beteiligungen an Unternehmen vor allem aus der "New Economy". Schon 1988 war Beisheim selbst Schweizer geworden. Von der Alpenrepublik aus zieht er seit seinem Rückzug aus diversen Metro-Gremien die Fäden seiner Beteiligungen.

Die Metro Börsen-Chart zeigen selbst ist längst ein Dax-notierter Handelsriese, zu dem neben den Großhandelsmärkten unter anderem die Ketten Kaufhof und Real, der Baumarkt Praktiker sowie der Elektronikhändler Saturn gehören. Das Unternehmen entstand im Juli 1996 aus der Verschmelzung von Metro Cash & Carry, der Kaufhof Holding AG und Asko Deutsche Kaufhaus AG.

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