Donnerstag, 15. November 2018

Metro Der Strippenzieher kappt die Fäden

Boris Becker vertraute ihm sein Schicksal an, Otto Beisheim sein Imperium, den fünftgrößten Handelskonzern der Welt. Nur wenige Manager hatten in ihrem Leben so viel Macht wie Hans-Dieter Cleven. Der Schweizer zieht sich nun zurück - jedenfalls offiziell.

Baar/Schweiz - Hans-Dieter Cleven verlässt die Beisheim Holding GmbH. Der Schweizer hat den Handelsgiganten Metro mit aufgebaut und gilt als einer der engsten Vertrauten des Konzerngründers Otto Beisheim.

 Der Strippenzieher und sein Schützling: Hans-Dieter Cleven
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Der Strippenzieher und sein Schützling: Hans-Dieter Cleven

Der Grund sei eine "ausschließlich persönlich motivierte Entscheidung" Clevens, wie das "Handelsblatt" meldet. Mit seinem 60. Geburtstag im kommenden Mai will er alle Geschäfte im Zusammenhang mit Beisheim niederlegen. Bei der Vielzahl seiner Aktivitäten ist es aber für die meisten Beobachter schwer vorstellbar, dass er in den Ruhestand geht.Der Metro-Konzern stand lange wegen seiner unüberschaubaren Struktur in der Kritik. Zu dem Handelskonglomerat gehören heute unter anderem die Warenhausketten Kaufhof und Real, der Baumarkt Praktiker und der Elektronikhändler Saturn. Mit der Börsennotierung wurde Metro 1996 publizitätspflichtig.Schätzungsweise 70 InternetfirmenDas gilt jedoch nicht für die Beisheim Holding, die ein Geflecht aus Beziehungen und Untergesellschaften kontrolliert. Schätzungen zufolge zählen dazu allein 70 Unternehmen aus dem Online-Bereich, etwa die erfolgreichen Portale von Scout24, aber auch der Wagniskapitalgeber XL Venture in Wiesbaden. Als Chef der Holding ist Cleven Schatzmeister und rechte Hand Beisheims. Er legt allerdings Wert darauf, dass "die Beisheim Holding über keine operative Verflechtung mit der Metro AG verfügt", wie ein Metro-Sprecher betont. Cleven sitzt dort im Aufsichtsrat.Doch damit nicht genug. Der Topmanager berät seit Jahren den früheren Tennisstar Boris Becker. Als dessen eigene Agentur BBM (Boris Becker Marketing) den Betrieb einstellte, übernahm Clevens eigene Schweizer Gesellschaft BCI Holding die Geschäfte. Doch der dreifache Wimbledon-Sieger war bereit, sich in noch größere Abhängigkeit zu begeben. Immer da, wenn es um Geld gehtBecker musste sich im vergangenen Jahr wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft forderte dreieinhalb Jahre Haft und eine Strafe von 1,7 Millionen Euro. Hilflos suchte Becker nach Wegen, diese Summe aufzubringen - neben der zu zahlenden Steuerschuld. Da bot sich Cleven als Retter in der Geldnot an. Er wollte dem Leimener mit den fehlenden Millionen auf die Sprünge helfen, mit diversen Immobilien als Sicherheiten. Doch Becker blieb die Strafsumme erspart. Ob es zu diesem Privatkredit tatsächlich kam, ist nicht bekannt.

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