Freitag, 22. März 2019

Führung "Alles hört auf mein Kommando"

In schweren Zeiten ist Zielstrebigkeit gefragt. Bain-Berater Uwe Reinert analysiert im Interview mit manager-magazin.de, warum so viele Führungskräfte als Krisenmanager versagen und erläutert, wie Sie Ihr Unternehmen souverän durch die Krise steuern.

mm: Herr Reinert, 37.000 deutsche Unternehmen sind in diesem Jahr in die Pleite gerutscht, ein absoluter Rekord. Waren all diese Firmen wirklich nicht zu retten?

Reinert: Viele Betriebe hätten sicherlich gute Überlebenschancen gehabt, wenn das Topmanagement rechtzeitig die richtigen Maßnahmen ergriffen hätte. Doch es ist leider geradezu typisch für deutsche Manager, solche schmerzhaften Eingriffe viel zu lange hinauszuzögern - bis es zu spät ist.

 Uwe Reinert , Experte für Sanierungsfälle und Partner bei Bain & Company, über die Frage, warum so viele Führungskräfte als Krisenmanager versagen
Norbert Michalke
Uwe Reinert, Experte für Sanierungsfälle und Partner bei Bain & Company, über die Frage, warum so viele Führungskräfte als Krisenmanager versagen
mm: Die Manager ignorieren, was sich über ihrem Schreibtisch zusammenbraut?

Reinert: Ich würde eher sagen, sie sind innerlich blockiert. Viele Manager empfinden es als ungeheuer belastend, Arbeitsplätze abbauen zu müssen. Anderen mangelt es schlicht an Erfahrung. Sie halten still und hoffen, dass die dunklen Wolken sich wieder verziehen.

mm: Typisch für Krisen ist aber doch, dass sie überraschend kommen. Perfekt vorbereiten kann sich der Manager nicht. Fehlt es den Führungskräften vielleicht einfach am nötigen Mut, die Dinge in die Hand zu nehmen?

Reinert: Deutsche Unternehmenslenker denken konsensorientiert, kaum ein Vorstand oder Geschäftsführer möchte sich der Kritik aussetzen, er herrsche autoritär. Doch in Zeiten der Krise wäre ein klares Bekenntnis zur Verantwortung dringend nötig. Im Unternehmen herrscht Informationschaos, die Mitarbeiter sind demoralisiert und verunsichert, das Umfeld drängt auf rasche Sanierungsschritte. Da bleibt keine Zeit für lange Konsensrunden. In einer solchen existenziellen Notlage braucht es einen, der sagt: Alles hört jetzt auf mein Kommando.

mm: Was aber, wenn der Manager sich unsicher ist, auf welchem Weg das Unternehmen zu retten wäre?

Reinert: Ein gewisses Maß an Unsicherheit ist völlig normal. Krise bedeutet ja gerade: Das Unternehmen hat fundamentale Probleme, die alten Lösungen greifen nicht mehr. Alle Beschlüsse werden unter enormem Zeitdruck getroffen. Jeder Manager, der halbwegs ehrlich zu sich selbst ist, wird sich in einer solchen Situation eingestehen, dass er längst nicht all seine Entscheidungen in ihrer ganzen Tragweite überblickt. Handeln muss er trotzdem.

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