Montag, 17. Dezember 2018

Club Méditerranée Der Sohn des Ex-Präsidenten soll es richten

Henri Giscard d'Estaing ist neuer Chef des schwächelnden Reiseveranstalters. Der Sohn des früheren französischen Staatschefs soll den Touristikkonzern wieder auf Erfolg trimmen. Fraglich ist, ob Giscard junior nicht schon bald neuen Eigentümer Rechenschaft ablegen muss.

Paris - Henri Giscard d'Estaing, Sohn des französischen Ex-Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing, soll den Pauschal-Reiseveranstalter Club Méditerranée Börsen-Chart zeigen aus der Krise führen. Der 46-Jährige ist als Nachfolger von Firmenchef Philippe Bourguignon (54) vorgesehen, der überraschend zurückgetreten ist.

Muss Club Med aus der Krise führen: Henri Giscard d'Estaing
Giscard junior ist bisher als Nummer zwei für die Finanzen verantwortlich gewesen. Club Méd steckt derzeit in den roten Zahlen. Zuletzt wurden kräftig gesunkene Einnahmen verzeichnet und dafür vor allem den weltweiten Rückgang des Tourismus nach den Anschlägen vom 11. September verantwortlich gemacht.

Am Montag gab der Konzern einen Netto-Verlust von 62 Millionen Euro für das Ende Oktober abgelaufene Geschäftsjahr 2001/02 bekannt. Im Vorjahr hatte Club Méd ein Minus von 70 Millionen Euro erwirtschaftet. Diesmal rutschte auch das Betriebsergebnis in die roten Zahlen: Nach einem Plus von 50 Millionen Euro im Vorjahr gab es im operativen Geschäft ein Minus von drei Millionen Euro. Die Club-Méd-Umsätze fielen von 1,985 Milliarden auf 1,744 Milliarden Euro.

Bourguignon hielt seit 1997 das Zepter beim Club Méd in der Hand. Vorher hatte der Franzose bei einem Hotelkonzern gearbeitet, und vorübergehend den Freizeitpark Disneyland Paris geleitet. Pluspunkte verzeichnete Bourguignon in seiner Amtszeit auf der Kostenseite. So halten ihm Analysten zugute, dass er die Kosten erheblich gesenkt und die unklare Betriebsorganisation neu ausgerichtet hat.

Agnelli-Clan spielt eine wichtige Rolle

Gescheitert ist Bourguignon hingegen bei dem Versuch, sich einen Wettbewerbsvorsprung zu verschaffen. Dem französischen Reiseveranstalter hängt immer noch das Image der 70er-Jahre nach. Zudem wird das schwache Preis/Leistungsverhältnis von vielen Urlaubern kritisiert.

An der Demission von Bourguignon dürfte der Agnelli-Clan, der große Anteile an Club Méd hält, nicht unbeteiligt sein. Der deutliche Fall des Aktienkurses Börsen-Chart zeigen dürfte ihr Vertrauen in die Führungskunst Bourguignons aufgezehrt haben. Angeblich wollen die Turiner Autohersteller sich langsam aus dem Touristikgeschäft zurückziehen.

Bourguignons Nachfolger Giscard gehört dem Unternehmen seit 1997 an und gilt als ein nüchterner Kostenrechner. Zuvor hatte der Absolvent der Pariser Eliteschule Sciences Politiques unter anderem bei dem Lebensmittelkonzern Danone als Leiter der Mineralwasser-Sparte mit Marken wie Evian gearbeitet.

© manager magazin 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH