Mittwoch, 19. Dezember 2018

Klaus Esser Neuer Job als Oberkontrolleur

Der frühere Mannesmann-Chef, gegen den vermutlich in den nächsten Wochen Anklage erhoben wird, leitet künftig den Aufsichtsrat des Nemax-Unternehmens Ixos.

Grasbrunn bei München - Klaus Esser, ehemals Chef des Mannesmann-Konzerns, hat einen neuen Job: Er wird künftig den Aufsichtsrat der Ixos Software AG Börsen-Chart zeigen leiten. Dies beschloss das Gremium des Nemax-Unternehmens auf seiner Sitzung am 11. Dezember.

Neuer Oberkontrolleur bei Ixos: Klaus Esser
Die Wahl in den Aufsichtsrat war bereits in der ordentlichen Hauptversammlung der Ixos AG am 19.11.2002 erfolgt. Esser wurde als Aufsichtsratsmitglied der Anteilseigner mit Wirkung zum 1. Dezember 2002 gewählt. Als Vorsitzender folgt er Hansjörg Staehle nach, der den Posten zum 30.11.2002 niedergelegt hatte, jedoch dem Gremium weiter angehört.

Esser war wegen der hohen Zahlungen im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone Börsen-Chart zeigen in die Kritik geraten. Voraussichtlich noch vor Weihnachten wird die Staatsanwaltschaft über eine Anklage gegen ihn sowie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und IG-Metall-Chef Klaus Zwickel entscheiden.

Zahlung von 60 Millionen Mark

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone gegen die Manager und andere Beschuldigte wegen des Verdachts der schweren Untreue oder der Beihilfe dazu. Allein Esser soll im Zuge der mit 188 Milliarden Euro teuersten Übernahme der Wirtschaftsgeschichte vor zweieinhalb Jahren etwa 60 Millionen Mark (30,7 Millionen Euro) erhalten haben.

Auch Ixos hat bereits einschlägige Erfahrungen mit den Justizbehörden. Diese hatten vor einiger Zeit Ermittlungen gegen ehemalige Verantwortliche des Unternehmens aufgenommen, nachdem es vor einer Ad-Hoc-Meldung vom März 2000 zu auffälligen Umsätzen gekommen war.

Anzeige wegen des Verdachts auf Insiderhandel

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) teilte Mitte März 2001 mit, es habe sich bei den Untersuchungen der damaligen Aktienverkäufe gezeigt, dass "mehrere Personen mit Insiderwissen" in den Wochen vor der Meldung Aktien verkauft hätten. Daher habe das BAWe bei der Staatsanwaltschaft München Anzeige wegen des Verdachts auf Insiderhandel gestellt.

Hintergrund: Ende März 2000 hatte Ixos überraschend für das dritte Geschäftsquartal einen erheblichen Verlust angekündigt. Daraufhin war der Aktienkurs um mehr als 46 Prozent auf 42 Euro eingebrochen. Kurz darauf fiel sie erneut um über 50 Prozent. Vor der Verlustwarnung allerdings hatten mehrere Altaktionäre massiv verkauft.

Goldman Sachs riet zum Kauf - und verkaufte

Der frühere Vorstand und Mitgründer Hans Strack-Zimmermann räumte dies Wochen später ein. Er habe etwa 300.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von rund 50 Euro abgegeben, sagt er damals. Auch der ehemalige Vorstandssprecher Eberhard Färber und die Investmentbank Goldman Sachs (GS) Börsen-Chart zeigen hätten Anteile verkauft.

Besonders pikant: Der amerikanische Finanz-Konzern verkaufte seine 600.000 Aktien relativ kurz nach zwei positiven Studien, die Anfang 2000 von Goldman-Sachs-Analysten veröffentlicht worden waren. Dieser Sachverhalt wurde von dem damaligen GS-Sprecher Peter Dietlmaier später als "Zufall" bezeichnet.


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