Dienstag, 11. Dezember 2018

Roland Berger Wer folgt dem Gründervater?

Stabwechsel bei der renommierten Unternehmensberatung: Roland Berger wechselt in den Aufsichtsrat - doch wer wird sein Nachfolger? Ein Top-Berater aus dem eigenen Haus gilt als heißer Kandidat.

München – In der Führungsspitze der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants steht ein Generationswechsel an. Gründervater Roland Berger (65), der die Beratungsgesellschaft an die Weltspitze führte, wechselt Ende Juni 2003 vom Vorsitz der Geschäftsführung in den Aufsichtsrat. Seinen Nachfolger werden die etwa 60 Partner auf ihrer Sitzung am 12. und 13. Dezember in München beschließen. Sie haben jeweils vier Vorschläge eingereicht.

Der neue starke Mann bei Roland Berger? Burkhard Schwenker
Als aussichtsreichster Kandidat wird Burkhard Schwenker gehandelt. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" gilt es in Partnerkreisen als sicher, dass der 44-jährige studierte Betriebswirt der neue Vorsitzende des Executive Committee (EC) wird.

Deutliches Indiz: Schwenker durfte mit Roland Berger die Zahlen des Geschäftsjahres 2001 präsentieren. Die Pressestelle der Unternehmensberatung wollte gegenüber manager-magazin.de die Personalie nicht kommentieren.

Seit 1998 im Führungsgremium

Schwenker hat sich unter anderem einen Namen durch die Loslösung der Unternehmensberatung von der Deutschen Bank gemacht. Er führte massgeblich die Verkaufsverhandlungen mit dem Kreditinstitut, das sich im Jahr 2000 endgültig aus dem Beratungsunternehmen zurückzog. Schwenker, der seit 1990 bei Roland Berger angestellt ist und seit 1998 im Führungsgremium EC sitzt, gilt zwar nicht als besonders charismatisch, aber als "großes Verkaufstalent, teamfähig und führungsstark".

Wechselt in den Aufsichtsrat: Roland Berger
Im aktuellen Executive Committee, das die weltweite Organisation steuert, sitzt neben Burkhard Schwenker und Roland Berger auch der Personalbeauftragte Karl Wilhelm Vogel (51). Ob er aus dem Führungsgremium ausscheidet, ist derzeit unklar. Ihm wird eine enge Verbindung zu Berger nachgesagt.

Klar ist, dass das bisher dreiköpfige Gremium um ein Mitglied aufgestockt wird. Chancen werden Walter Hagemeier (45) und Dirk A. Reiter (38) eingeräumt. Beide sind Mitglieder des für das Inland zuständigen Management Committees. Der dritte in dieser Runde, Karl-J. Kraus (49), leitet das Berliner Büro und die deutsche Landesgesellschaft.

Sein Pech: Die Partner dürfen bei ihrer Wahl in Führungsgremien nicht älter als 50 Jahre sein. Zum geplanten Stabwechsel Mitte 2003 ist Kraus der Altersgrenze schon ziemlich nahe. Andererseits ist sein Ruf als Sanierungsfachmann legendär. Ob Babcock Borsig, Philipp Holzmann oder Kirchmedia - immer wenn Unternehmen in die Insolvenz rutschen, rufen die Banken ihn zur Hilfe.

Abgesehen vom offiziellen Führungswechsel wird Gründervater Roland Berger aber – nicht zuletzt als Aufsichtsratschef – weiterhin starken Einfluss haben. Der Unternehmensberater, der schon häufig als Feuerwehrmann und Hausarzt der Wirtschaft oder Drahtzieher der Deutschland AG bezeichnet worden ist, bleibt zudem Partner. Er hält weiterhin 9,9 Prozent.

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