Montag, 10. Dezember 2018

Ludwig-Erhard-Preis Chefredakteur Kaden geehrt

Die Ludwig-Erhard-Stiftung hat Wolfgang Kaden, Chefredakteur des manager magazins, einen der beiden Hauptpreise verliehen. Kaden sei seit Jahrzehnten eine tragende Figur der deutschen Wirtschaftspublizistik, loben die Juroren.

Hamburg - Interna aus der Redaktion zu vermelden ist für manager-magazin.de eher ungewöhnlich. Diesmal allerdings brechen wir mit der Regel – aus gutem Grund: mm-Chefredakteur Wolfgang Kaden (62) hat den renommierten Ludwig-Erhard-Preis erhalten. Die gesamte Redaktion des manager magazins gratuliert herzlich - wir sind sehr stolz!

Hans Barbier, Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, überreicht Wolfgang Kaden den Preis
Norbert Michalke
Hans Barbier, Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, überreicht Wolfgang Kaden den Preis
Laudatorin Isabel Mühlfenzl (75) hob bei der Preisverleihung in Berlin hervor, dass Kaden "mit seiner objektiven, zurückhaltenden, aber bestimmten und zielstrebigen Art, mit der er den Dingen auf den Grund geht, über Jahrzehnte hinweg eine tragende Figur der Wirtschaftspublizistik ist."

Die Ludwig-Erhard-Stiftung verleiht die Auszeichnung alljährlich an Persönlichkeiten, die mit ihrem wissenschaftlichen und journalistischen Wirken einen Beitrag zur "Erhaltung, Erneuerung und Entfaltung der Sozialen Marktwirtschaft" leisten. Weiterer Hauptpreisträger ist in diesem Jahr der Ökonomie-Professor Norbert Berthold (50); Förderpreise wurden an Margaret Heckel (36, "Financial Times Deutschland") und Silke Wettach (33, "Wirtschaftswoche") vergeben.

Gedrückte Stimmung bei der Preisverleihung

Eigentlich hatten die Gäste bei der Preisverleihung also einen schönen Anlass zum Feiern. Doch es kam keine rechte Festtagslaune auf, eher herrschte im neu erbauten Ludwig-Erhard-Haus zu Berlin Kümmernis und Krisenstimmung.

Die Mitglieder der Stiftung, die 1967 von Altbundeskanzler Ludwig Erhard gegründet worden war, zeigten sich im höchsten Maße besorgt und entsetzt über das rot-grüne Bündnis. Wie keine andere Regierung in der deutschen Nachkriegsgeschichte, so die einhellige Meinung, versuche Gerhard Schröders Kabinett die Eckpfeiler der Marktwirtschaft auszuhebeln.

Besonders scharf formulierte die Journalistin und Laudatorin Isabel Mühlfenzl ihre Kritik an der neuen Regierung. "Während die ganze Welt im Zuge des internationalen Wettbewerbs die bürokratischen Fesseln lockert und die Steuern senkt, wird bei uns das Modell eines Wohlfahrtstaates weiter entwickelt, das mit Marktwirtschaft nichts mehr gemein hat." Man baue, so Mühlfenzl, "eine Mauer um das einstige Wirtschaftswunderland Ludwig Erhards, dessen Erbe wir nun verschleudern".

Kritik an der Bundesregierung

Selbst die Laureaten zeichneten an diesem für sie ja eigentlich freudvollen Tag ein düsteres Bild der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft. So hob mm-Chefredakteur Wolfgang Kaden in seiner Dankesrede die schädliche Wirkung der Mitbestimmung von Arbeitnehmervertretern in deutschen Aufsichtsräten hervor. Die Mitbestimmung führe zu einer nachhaltigen Schwächung der Unternehmenskontrolle, sie mindere den Wert deutscher Unternehmen auf dem globalen Kapitalmarkt und bilde "einen nicht gering zu schätzenden Standortnachteil".

Sicherlich, es war nicht zu erwarten gewesen, dass Mitglieder und Freunde einer so konservativen und auf die Werte der freien Marktwirtschaft verpflichteten Stiftung großes Lob über das neu gewählte politische Personal in Berlin ausschütten würden. Dass die Kritik aber derart fundamental und vernichtend ausfiel, war doch überraschend.

Nicht einmal das Hartz-Konzept, dem sogar die Opposition positive Seiten abgewinnen kann, fand Gnade. "Hartz ist ein großes Täuschungsmanöver", formulierte Preisträger Norbert Berthold. "Das Konzept bringt mehr Staat und Zentralismus aber keine Arbeitsplätze." Was nach dem zweistündigen Festakt blieb? Erregte Diskussionen beim Wein und die vage Hoffnung, dass sich die Regierenden drüben im Reichstag doch noch eines Besseren besinnen.

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