Freitag, 14. Dezember 2018

Ludwig-Erhard-Preis Mitbestimmung und Unternehmenskontrolle

In seiner Dankesrede zum diesjährigen Ludwig-Erhard-Preis geht mm-Chefredakteur Wolfgang Kaden mit der Arbeitnehmer-Mitbestimmung hart ins Gericht.

Ich möchte zunächst der Jury ganz herzlich danken, dass sie mich zum Ludwig-Erhard-Preisträger gewählt hat. Ich habe mich wirklich sehr über diese Ehrung gefreut. Denn dieser Preis hat unter den Preisen für Wirtschaftjournalisten einen ganz besonderen Rang.

 Wolfgang Kaden erhielt den Ludwig-Erhard-Preis
Wolfgang Kaden erhielt den Ludwig-Erhard-Preis
Außerdem gehört ja auch etwas Mut dazu, einen wie mich zu wählen. Schließlich habe ich meine journalistische Sozialisation beim SPIEGEL erfahren, dessen Redaktion ich 26 Jahre angehört habe.

Und der SPIEGEL steht immer noch und ungerechterweise unter dem Generalverdacht, der Marktwirtschaft nicht wohl gesonnen zu sein.

Nun bin ich ja auch schon acht Jahre nicht mehr beim SPIEGEL, sondern beim manager magazin. Und dessen Ruf als makelloser Verfechter einer streng marktwirtschaftlichen Ordnung ist gewiss bei allen ungetrübt. Begründet wurde dieser Ruf übrigens durch seinen ersten langjährigen Chefredakteur, durch Leo Brawand.

Ich habe mich bemüht, in dieser Tradition fortzuwirken. Und ich verstehe die Zuerkennung dieses Preises vor allem als Würdigung des Engagements, das das manager magazin über die Jahrzehnte hinweg für die Grundsätze der Marktwirtschaft gezeigt hat.

Nun aber zu meinem Thema. Ich möchte über Mitbestimmung und Unternehmenskontrolle, neudeutsch Corporate Governance, sprechen.

Wobei es mir ausschließlich um die Mitbestimmung durch die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten geht, nicht um die betriebliche Mitbestimmung, also um die Betriebsräte.

Das Sujet liegt fraglos etwas außerhalb des Themenspektrums, das bei dieser Preisverleihung normalerweise abgehandelt wird. Mir schien es jedoch ganz passend, weil ich mich ja bei manager magazin nicht mehr ständig in der großen Welt der Wirtschaftspolitik bewege, sondern vornehmlich mit der Unternehmenswirklichkeit zu tun habe. Und weil die Mitwirkung der Arbeitnehmer in der Unternehmenskontrolle denn doch einen Bezug hat zu den Grundsätzen der Ludwig-Erhard-Stiftung. Denn schließlich geht es darum, welchen Rahmen der Staat durch seine Gesetze für unternehmerische Betätigung findet.

1976 hat die damalige sozialliberale Mehrheit des Bundestags das Mitbestimmungsgesetz beschlossen. Heftigste Debatten waren vorausgegangen, das Verfassungsgericht wurde nach der Entscheidung angerufen. Heute sind dieses Gesetz und die Praxis der Mitbestimmung in Aufsichtsräten hierzulande unumstritten.

Manche Befürchtungen - vor allem die, dass den Vorständen die Handlungsfreiheit genommen werde - erwiesen sich als unbegründet. Die Unternehmen leben mit dem Gesetz, seine konsens- und friedensstiftende Wirkung wird gelobt, nicht nur von den Gewerkschaften, sondern auch von den Managern und den Unternehmensverbänden.

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