Sonntag, 11. Dezember 2016

Frauen und Karriere "Das Gemeckere ist verlogen"

Frauen sind selbst schuld, wenn sie im Beruf nicht aufsteigen. Mit dieser These ihres Buchs "Das dämliche Geschlecht" sorgte die Wirtschaftsredakteurin Barbara Bierach für heftige Diskussionen. Im Interview mit manager-magazin.de rechtfertigt sie ihre Ansichten.

mm.de:

Frau Bierach, Sie schreiben in Ihrem Buch, dass es deutsche Frauen selten auf Chefsessel schaffen, weil sie zu "dämlich" sind. Das müssen Sie uns erklären ...

Provokante Thesen: Barbara Bierach, Redakteurin für Wirtschaft und Autorin des Buchs "Das dämliche Geschlecht"
Bierach: Die Deutschen sind Weltmeister im Organisieren, seit 20 Jahren gibt es Frauenbeauftragte, Frauenförderprogramme etc., und trotzdem gibt es wenig Frauen in hochrangigen Positionen der deutschen Wirtschaft. Schlappe 3,7 Prozent sind es genau. Nicht besser ist die Lage in den Behörden, obwohl nach Noten eingestellt wird und das deutsche Beamtenrecht das frauenfreudlichste der Welt ist. Der Frauenanteil auf der Ebene der Hauptabteilungsleiter beträgt aber trotzdem nur 2,1 Prozent.

mm.de: Warum sind Frauen "dämlich", und warum schaffen Sie es so selten in die Top-Etagen der Unternehmen oder Behörden?

Bierach: Dämlich sind sie nicht - sie haben bessere Noten als Männer, sie leiden also nicht unter intellektuellen Fähigkeiten. Aber mit Mitte 30 haben sie genug vom Machtkampf im Beruf und ziehen sich ins Privatleben zurück. Das ist ja auch okay - nur das Gemeckere geht mir auf die Nerven. Erst freiwillig zurückziehen und dann darüber meckern - das ist verlogen.

mm.de: Was bezwecken sie mit dem Buch?

Bierach: Die Emanzipationsbewegung war eine der spannendsten Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts, aber jetzt ist das alles zum Stillstand gekommen. Frauen sind sehr blauäugig und geben mit Nonchalance erkämpfte Positionen auf. Ich möchte mit dem Buch eine neue Diskussion anzetteln.

mm.de: Wie sind die Reaktionen in Ihrem Bekanntenkreis? Haben sie überhaupt noch Freundinnen?

Bierach: Viele Leute haben sich geäußert, ohne das Buch zu kennen. Zugegebenermaßen - der Titel war ein Marketingmechanismus, bei Tausenden von wirtschaftsbezogenen Neuerscheinungen muss man ein paar Leute ärgern. Aber viele Frauen haben sich bei mir auch bedankt. Viele sagten: 'Dieses heiße Eisen anzusprechen habe ich mich einfach nicht getraut.'

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