Mittwoch, 14. November 2018

Anwälte Binz gegen den Rest der Welt

Lufthansa, Mannesmann/Vodafone, Deutsche Telekom: Sobald der Stuttgarter Anwalt Mark Binz und sein Partner Martin Sorg unlautere Methoden bei den Konzernchefs wittern, folgt die Klage. Was treibt die Advokaten?

Hamburg – Manchmal reicht für Mark Binz die Lektüre einer Wirtschaftszeitung, um einen spektakulären Prozess anzuschieben. So zum Beispiel im Juli vergangenen Jahres. Da las der Stuttgarter Wirtschaftsanwalt im "Handelsblatt", dass der Hamburger Internetunternehmer Peter Kabel seine Dotcom-Bude Kabel New Media möglicherweise absichtlich in die Insolvenz getrieben habe.

 Attacken auf Konzerne: Mark Binz macht Managern das Leben schwer
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Attacken auf Konzerne: Mark Binz macht Managern das Leben schwer
Binz erkundigte sich bei dem Blatt, ob es Ansprüche auf Gegendarstellung seitens Kabel gegeben habe. Da dies nicht der Fall war, witterte er Unregelmäßigkeiten und reichte Klage bei der Hamburger Staatsanwaltschaft ein. Der Grund: Anfangsverdacht auf Insolvenzdelikte und Untreue.

Kabel ist für Binz ein vergleichsweise kleiner Fisch. Die Rolle als David im Kampf gegen Goliath liegt ihm schon eher. So klagte der Nichtraucher und Vielflieger Anfang der neunziger Jahre gegen die Lufthansa, die ein ursprünglich geplantes Rauchverbot auf Inlandsflügen eilig zurückgenommen hatte, weil die Tabakindustrie Druck ausgeübte.

Attacken des pflichtbewussten Staatsbürgers

Der umtriebige Advokat handelte bei seinen Attacken auf Unternehmen keineswegs im Auftrag erboster Kleinaktionäre. Aus "staatsbürgerlicher Pflicht" erstattet er Strafanzeige, behauptet Binz. "Ich bin der Meinung, dass ich mich im Gemeinwesen engagieren muss. Jemand sollte als Branchenkenner auch mal Zivilcourage beweisen", begründet er seine zahlreichen Engagements gegenüber manager-magazin.de.

Binz, der selbst in diversen Aufsichtsräten aktiv ist, nimmt es mit seiner Pflicht ziemlich ernst. Derzeit hat er mit seinem Partner Martin Sorg gleich zwei große Prozesse in Arbeit.

Einerseits sind die Rechtsexperten verantwortlich für das Ermittlungsverfahren um die gezahlten Millionenabfindungen im Zuge der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone. Andererseits haben Binz und Sorg Anfang August auch Anzeige gegen aktive und ehemalige Spitzenmanager der Deutschen Telekom eingereicht.

Hinter einem umfangreichen Aktienoptionsplan der Telekom vermutet das Duo eine Schädigung der Anteilseigner. Unter anderem verdächtigen Binz und Sorg Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus, den neuen Vorstandschef Helmut Sihler und dessen Vorgänger Ron Sommer. Sie sollen durch Aktienoptionen im Jahr 2001 die Anteilseigner um mindestens 375 Millionen Euro geschädigt haben.

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