Dienstag, 13. November 2018

Motivationstrainer Tief deprimiert

Vorbei die positiven Zeiten. Die steile Karriere durch den Glauben an sich selbst hat sich als Trugschluss erwiesen, die Beschwörer des grenzenlosen beruflichen Erfolgs sind ausgelaugt. Eine Branche, die die Welt nicht braucht, hat ausgedient.

Hamburg - "Alles ist möglich, du musst es nur wollen" - dass dem nicht so ist, beweist der insolvente Pleitegeier und ehemals Deutschlands berühmtester Motivationstrainer Jürgen Höller selbst. Er predigte in seinen Seminaren: "Du kannst es, wenn du nur willst" - hat er nicht genug gewollt?

Motivationstrainer Jürgen Höller: Jetzt heißt es umsatteln!
"Steig' ab vom Pferd, wenn es tot ist" zitiert der SPIEGEL den gescheiterten Großmotivator. Doch nun liege die Branche leichenstarr da und der Reiter muss umsatteln. Guru Höller habe ein Problem. Die Schar seiner Gläubiger sei inzwischen größer als die der Gläubigen. Seine Botschaften wolle kaum einer mehr hören. Immer mehr Firmen verzichten auf die teuren Motivationsseminare, berichtet das Magazin.

"Du kannst es" - nicht

Sein Absturz sei kein Zufall, sondern ein Symptom, so der SPIEGEL weiter. Derzeit herrsche in der Weiterbildungsbranche Fronleichnams-Tristesse. Trainestars wie Emile Ratelband, Bodo Schäfer, Ulrich Strunz oder Erich Lejeune - das Credo dieser Prototypen der vergangenen Jahre für Erfolg und "Du kannst es, wenn du nur willst" hat ausgedient.

Höller ist pleite, die Fernsehsendung mit Ratelbands Sofort- und Fernheilungsallüren wurde abgesetzt, Schäfers frühere Firma Finanz Coaching musste ebenfalls Insolvenz beantragen. Und der Unternehmer Lejeune, heute nebenbei Moderator beim Münchner Lokalsender TV München, wird unter Journalisten verhöhnt, weil er zu seiner Sendung "Börsenquartett" gelegentlich und der Einfachheit halber Kollegen einlädt.

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