Freitag, 16. November 2018

Moritz Hunzinger Der Skandal um die PR-Honorare

Die Bundesregierung verneint weitere Verbindungen zu Hunzinger. Die Grünen zittern.

Berlin - Die Grünen halten die Kredit-Affäre ihres Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir für beendet. Er habe mit der Kreditaufnahme beim PR-Berater Moritz Hunzinger zwar eine "politische Eselei" begangen, aber seinen Fehler eingestanden, sagte Grünen-Chef Fritz Kuhn in Berlin.

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Damit sei die Sache geklärt und erledigt. Unterdessen verneinte die Bundesregierung nach der Honorar-Affäre des inzwischen entlassenen Verteidigungsministers Rudolf Scharping weitere geschäftliche Verbindungen mit Hunzinger.

Özdemir hatte die Aufnahme eines 80.000-Mark-Kredits (rund 41.000 Euro) bei Hunzinger im Januar 1999 öffentlich bedauert und angekündigt, das Geld umgehend vollständig zurückzuzahlen. Er sagte, dass das Geld keine Spende oder Schenkung gewesen sei, sondern ein normaler Kredit. Sollte der Zins von 5,5 Prozent unter den üblichen Marktkonditionen gelegen haben, werde er die Differenz an ein Zentrum für Folteropfer in Berlin spenden.

Die Grünen lauern defensiv

Kuhn sagte, es sei "völlig verfehlt, aus dieser Geschichte eine strukturelle Abhängigkeit der Grünen zu einem Unternehmen zu konstruieren". Wer glaube, daraus eine Kampagne gegen die Grünen machen zu können, irre, weil Özdemir in kein Abhängigkeitsverhältnis zu Hunzinger getreten sei. Kuhn sagte, er gehe davon aus, dass andere Grünen-Politiker keine Verbindungen mit Hunzinger eingegangen seien. Er bestätigte, dass Außenminister Joschka Fischer, Fraktionschef Rezzo Schlauch und Verbraucherschutzministerin Renate Künast Vorträge bei Hunzinger gehalten hätten.

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Regierungssprecher Uwe Karsten Heye erklärte, ihm sei nicht bekannt, dass Regierungsmitglieder Verbindungen zu Hunzinger hätten. Kanzleramtsminister Martin Bury habe sein Amt im Aufsichtsrat der Hunzinger Informations AG "unmittelbar" vor seinem Wechsel in die Regierung niedergelegt.

FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt äußerte die Vermutung, dass Özdemir "manchmal ein Stück seinen Verstand ausschaltet". Er könne nicht verstehen, dass der Grüne als veritabler Abgeordneter nicht eine Bank um einen Kredit gebeten habe. In der FDP selbst gebe es keine Verbindungen zum umstrittenen PR-Berater Hunzinger.

Glos verteidigt Lobbyismus in der Politik

Hunzinger erklärte im ZDF, den Kredit an Özdemir aus seinem Privatvermögen bezahlt zu haben. Nachdrücklich bestritt er, dass sich aus der Kreditvergabe an Özdemir oder aus den Honoraren für Scharping "etwas Unrechtes" herleiten lasse. Der "Bild"-Zeitung zufolge sagte er, es sei seine Aufgabe, Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik zusammenzubringen, "damit beide die Probleme des anderen kennen lernen". Dies werde von der Wirtschaft honoriert, und daran sei nichts Dubioses oder Mafiöses.

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Die Gesellschaft der führenden PR-Agenturen in Deutschland distanzierte sich dennoch von Hunzinger. Hunzinger gehöre gar nicht zur Branche, er arbeite in einem verdeckten Bereich, sagte ihr Präsident Rupert Ahrens.

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos verteidigte Lobbyismus und Kontaktpflege in der Politik. Wichtig sei, dass sich Politiker dadurch nicht in ihren Entscheidungen beeinflussbar machten, sagte Glos. Sollten sich die Anschuldigungen gegen Scharping (SPD) als richtig herausstellen, so habe dieser sich "zumindest sehr geschmacklos verhalten" und sei "zu Recht aus dem Amt entlassen worden".

Das eigene Geschäftsmodell überprüfen

In der "Bild"-Zeitung kündigte Hunzinger an, seine Firmenpolitik zu überdenken. "Wir werden unser Geschäftsmodell überprüfen." Anlass für eine grundlegende Änderung der Geschäftspraktiken sehe er jedoch nicht. "Hier gibt es keine Tarnkappen und keine Dunkelkammern. Wir arbeiten öffentlich, transparent." Zahlungen an Parteien und Politiker wie Scharping erklärte Hunzinger mit dem Zeitaufwand der Politiker, der entlohnt werden müsse.

"Diese Verknüpfung von klassischer PR mit Lobbyismus und anderen Dingen ist ein Auslaufmodell", sagte der Präsident der Deutschen Public Relations Gesellschaft, Jürgen Pitzer, der dpa.

Hunzinger schade mit seinem Verhalten dem Image der ganzen Branche. Wichtig sei eine transparente Vorgehensweise, da "Gemauschel letztlich dem Kunden schadet".

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