Donnerstag, 15. November 2018

Hans-Olaf Henkel Orden? Nein danke!

"Ich bin ein Hamburger!", sagt BDI-Vizepräsident Henkel - und als ein solcher lehnt er das Verdienstkreuz 1. Klasse aus den Händen des Berliner Bürgermeisters Wowereit ab. Er beruft sich auf die hanseatische Tradition, "Auszeichnungen fremder Herren" nicht anzunehmen.

Hamburg - Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sollte Henkel im Auftrag von Bundespräsident Johannes Rau am Mittwoch den Orden überreichen. Doch der 62-jährige Henkel lehnte ab.

 Hans-Olaf Henkel: Will keinen Orden
AP
Hans-Olaf Henkel: Will keinen Orden
"Nach einigen Nachdenken habe ich mich entschlossen, den Orden als gebürtiger Hamburger nicht anzunehmen", ließ er die Herren in Berlin wissen. Dies geschehe aus Hamburger Tradition - und nicht wegen eventueller Unstimmigkeiten mit dem rot-roten Senat.

Der prinzipientreue Hanseat lehnt "Auszeichnungen fremder Herren" ab. Mit dieser Haltung befindet sich Henkel in guter Gesellschaft, denn auch Ex-Kanzler Helmut Schmidt wollte 1968 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband nicht annehmen. Ihm gleich taten es auch Jan Philipp Reemtsma, Heidi Kabel und Hans-Ulrich Klose.

Zurück geht diese Tradition auf ein Gesetz im Stadtrecht von 1270. Der Hintergrund für den Erlass wird in einem Archivbericht der Stadt Hamburg von 1885 deutlich, erklärt Christian Saadhoff von der staatlichen Pressestelle Hamburg.

Widerspruch zum Geiste der Hamburger Verfassung

Schon damals galt "die Tatsache, dass die äußerlich sichtbaren Ordensinsignien den Decorierten vor seinen Kollegen und Mitbürgern als einen vorzüglicheren auszeichnen sollen", als ein Umstand, der in entschiedenem Widerspruch zum Geiste der Hamburger Verfassung stand.

 Helmut Schmidt: Ebenfalls Ordens-Verweigerer
REUTERS
Helmut Schmidt: Ebenfalls Ordens-Verweigerer
So ist es nach Hamburgischer Ordenspraxis bis heute noch allen Senatoren, Bürgerschaftsabgeordneten und Mitarbeitern im öffentlichen Dienst untersagt, Auszeichnungen anzunehmen - auch nach ihrer Pensionierung. Der Hamburger Bürger bekommt seinen Lohn in dem Bewusstsein erfüllter Pflicht, nicht etwa durch Auszeichnungen.

Diese zuletzt im Senatsbeschluss von 1963 bekräftigte Praxis hat unter anderem ihre Bestätigung darin gefunden, dass Ex-Kanzler Schmidt die Annahme des Bundesverdienstkreuzes mit der Begründung verweigerte, ehemaliger Hamburger Senator zu sein.

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