Freitag, 16. November 2018

Thomas Borer Millionen-Poker um Geld und Vergeltung

2. Teil: Ringier entlässt seine Redakteure

Ringier entlässt seine Redakteure

Mathias Nolte, Chefredakteur des "SonntagsBlick" musste am Donnerstag den Posten räumen
Den ersten Sieg konnte Thomas Borer bereits am Donnerstag feiern. Der Ringier-Verlag schasste kurzerhand die verantwortlichen Redakteure des "Blick" und des "SonntagsBlick" wegen ihrer Berichterstattung über die vermeintlichen Stelldicheins Borers in der Berliner Landesvertretung des Alpenstaats.

Selbst Chefredakteur Mathias Nolte musste seinen Hut wegen der Artikel über Borer und das "Botschafts-Luder" nehmen. Wie in solchen Situationen üblich wurde von "gestörten Vertrauensverhältnissen" zwischen dem Verlag und den Redakteuren und beiderseitigem Einverständniss über die Demission von Chefredaktuer Nolte und Gesellschaftskolumnistin Alexandra Würzbach gesprochen.

Begonnen hatte die Wende in der Affäre schon am vergangenen Samstag mit einem Anruf bei der "Bild am Sonntag". Ein Reporter solle schnell zum Borer-Anwalt Andreas Schulz in seine Kanzlei am Kurfürstendamm kommen, forderte der Anrufer. Dort hielt der Strafverteidiger in der Tat Überraschendes bereit. Er präsentierte die bisherige Kronzeugin für die Sex-Gerüchte mit einer neuen eidesstattlichen Versicherung. In dem fünfseitigen Papier und einem Video leugnete Djamila Rowe plötzlich jeden sexuellen Kontakt zu Borer und unterstellt dem Ringier-Verlag eine Inszenierung der Geschichte mit dem erklärten Ziel, Borer aus dem Amt zu jagen.

Die Zeugin wechselte die Seiten

Djamila Rowe wurde von der Zeugin für angebliche Stelldicheins nun zur Kronzeugin der Anklage gegen den Ringier-Verlag
Aus der Zeugin der Anklage gegen den Ex-Botschafter wurde so urplötzlich die Kronzeugin für Borer gegen den Ringier-Verlag. Bisher hatte es sich Djamila Rowe nicht nehmen lassen, vor jedem Mikrophon zu behaupten, sie habe "puren Sex" mit dem Botschafter gehabt und das sogar im Bett des Ehepaars Borer-Fielding.

Wortreich und ohne Insistieren hatte sie kurz nach Ostern auch SPIEGEL ONLINE die ganze Affäre mit Einzelheiten und Zeugen genannt - ohne dafür Geld zu verlangen. Ihr jetziger Anwalt Stephan Jellacic, der dritte nach Beginn der Affäre, sagt dazu nur, sie sei vom Ringier-Verlag mit "einer Gehirnwäsche" zu diesen Aussagen gebracht worden.

Mit dem Dementi der Zeugin holen die Borer-Anwälte nun zum großen Gegenschlag aus. Denn der Ringier-Verlag steht schlecht da. In der Schweiz brechen dem Zeitungshaus wegen des schlechten Images schon jetzt die Zeitungsanzeigen weg. Und so haben die Rechtsanwälte Schulz und Prinz einen schwachen Gegner gefunden. Seit Tagen wird mit den Juristen des Verlags intensiv über eine millionenschwere Schmerzensgeld-Summe verhandelt, bisher ohne Erfolg. Borer selber kündigte vollmundig an, der Verlag müsse "eine Lektion" erhalten, die er nicht aus der Portokasse zahlen könne.

© manager magazin 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH