Mittwoch, 19. Dezember 2018

Landeszentralbank Schiebers letzter Gang

Mit dem Sterben der Landeszentralbanken verschwinden auch deren Präsidenten. Ende Juni verlässt auch Helmut Schieber, Chef der LZB Baden Württemberg, die scheidende Institution. Zu seiner Verabschiedung hat sich auch Bundesbankpräsident Ernst Welteke angemeldet.

 Helmut Schieber: Der Landeszentralbank-Chef geht mit 64 Jahren
DPA
Helmut Schieber: Der Landeszentralbank-Chef geht mit 64 Jahren

Stuttgart - Präsident ist er noch, allerdings nicht mehr der Landeszentralbank in Baden-Württemberg (LZB): Seit dem 1. Mai heißt das Geldinstitut, das Helmut Schieber leitet, einfach nur Hauptverwaltung Stuttgart der Deutschen Bundesbank. Am 30. Juni will der 64-Jährige genau zwei Jahre nach seinem Amtsantritt zurücktreten und einem neuen Leiter Platz machen. Für Schieber, der die Entmachtung der Landeszentralbanken kritisch beäugte, geht damit eine Jahrzehnte lange Karriere im Dienste des Geldes zu Ende.

Sein Nachfolger ist der bisherige Stellvertreter Wilhelm Ergenzinger. Bundesbankchef Ernst Welteke kommt am 8. Juli zur Verabschiedung und Amtseinführung der beiden Banker.

Die Laufbahn begann genau dort, wo sie nun endet

Der Pfarrerssohn Schieber, ein gebürtiger Leutkircher, studierte nach einer Banklehre in Freiburg Jura. Seine Laufbahn begann er genau dort, wo sie nun endet: bei der baden-württembergischen Landeszentralbank. Er trat seinen Dienst 1972 als persönlicher Referent des Präsidenten an und stieg nach mehreren Manager-Jobs 1985 zum Vizepräsidenten auf.

Sieben Jahre später wechselte Schieber als "Außenminister" in das Direktorium der Deutschen Bundesbank nach Frankfurt/Main und war als Leiter der Abteilungen Ausland und internationale Währungen wesentlich an der Einführung des Euro beteiligt.

Im Juni 2000 kam Schieber, der niemals ein politisches Amt bekleidete und daher als unabhängig galt, zurück nach Stuttgart, diesmal als Präsident der LZB. Die Reform der Bundesbank befürwortete er zwar, doch bei der Verteidigung der LZB-Interessen zeigte sich Schieber patriotisch: Die Landeszentralbank eines Bundeslandes, das wirtschaftlich stärker als manche EU-Staaten sei, müsse wesentliche Kompetenzen behalten, forderte er.

In den neuen Vorstand der Bundesbank wurde der Manager erwartungsgemäß nicht berufen. Schieber ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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