Mittwoch, 19. September 2018

Frauen im Management Die ausgebremste Karriere

Frauen könnten, wenn sie wollten, denken Manager. Frauen könnten, wenn Männer sie ließen, meinen dagegen weibliche Führungskräfte. Eine Studie analysiert erstmals, wie Europas Managerinnen ihre Aufstiegschancen einschätzen und wie die Realität in den Unternehmen aussieht.

Berlin/Hamburg - Warum gibt es immer noch so wenige Frauen in den Führungsetagen der Wirtschaft? Was hindert sie am Aufstieg? Sind Frauen wirklich zu "blöd, faul und zu schlecht ausgebildet" für die Karriere, wie ein jüngst erschienenes Buch (Barbara Bierach "Das dämliche Geschlecht") suggeriert?

 Weibliche Führungskräfte: In europäischen Unternehmen unterrepräsentiert
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Weibliche Führungskräfte: In europäischen Unternehmen unterrepräsentiert
Eine jetzt in Berlin vorgestellte Studie mit Daten aus 20 europäischen Ländern belegt das Gegenteil: Europäische Managerinnen streben nach Top-Positionen und sind sogar ambitionierter als ihre männlichen Kollegen. Sie stehen jedoch überall in Europa vor ähnlichen Hindernissen auf dem Weg nach oben.

Erhoben wurde die Studie von zwei führenden amerikanischen Wirtschaftsinstitutionen: The Catalyst, der wichtigsten Non-Profit-Organisation zur Förderung von Frauen in der Wirtschaft, und The Conference Board, einem der führenden Management-Think-Tanks der USA. Sie ist die umfangreichste ihrer Art, erstmals wurden Daten aus ganz Europa zusammen getragen.

Die Macher der Studie befragten 500 weibliche und 132 männliche Führungskräfte aus Unternehmen mit mindestens 900 Beschäftigten und mehr als 125 Millionen Euro Umsatz. Alle Befragten rangierten auf der Direktorenebene oder darüber.

Die Studie war keine quantitative Erhebung. Die Forscher wollten vielmehr herausfinden, welche Erfahrungen und Ansichten zum Thema Frauenkarrieren in den Köpfen europäischer Führungskräfte existieren. Sie wollten verstehen, wie Managerinnen und Manager wirklich über die Fähigkeiten und Aufstiegschancen der Frauen denken.

Ein wichtiges Ergebnis der Studie: Frauen sind ehrgeizig. Jede dritte der befragten Managerinnen zwischen Norwegen und Spanien, zwischen Frankreich und Ungarn, äußerte den klaren Wunsch, ins Top-Management ihres Unternehmens aufzusteigen (siehe: "Ehrgeiziger als Männer ...").

Doch der Weg dorthin, glauben zumindest die Frauen, ist keineswegs frei. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werde der durchschnittliche Anteil der Managerinnen an Europas Top-Positionen von heute acht Prozent auf höchstens zehn Prozent wachsen, schätzen die Befragten. Die Männer sehen dies durchaus optimistischer: Sie erwarten, dass im Jahre 2007 immerhin 16 Prozent aller Führungspositionen von Frauen besetzt sind (siehe: "Gedämpfter Optimismus").

Die Skepsis der Frauen hat ihren Grund - den die meisten männlichen Kollegen jedoch nicht wahrnehmen. Zwei Drittel der Managerinnen halten geschlechtsspezifische Vorurteile noch immer für ein ernsthaftes Hindernis auf dem Weg nach oben, nur ein Drittel der Männer denkt so (siehe: "Die fünf größten Karrierehindernisse"). Weit mehr als die Hälfte der Frauen gab an, dass sie sich nicht als Teil der Mehrheitskultur in ihrem Unternehmen fühle - ganz einfach, weil sie weiblichen Geschlechts sei.

Die Studie zeige, dass "Frauen und Männer in europäischen Unternehmen ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie es Managerinnen ergeht", sagt Catalyst-Präsidentin Sheila Wellington. "Viele aufstiegswillige Frauen fühlen sich offensichtlich ausgebremst, doch ihre männlichen Kollegen ahnen nichts davon."

Augenscheinlich gibt es aber auch handfestere Hindernisse auf dem Weg an die Spitze: Männer und Frauen meinen einträchtig, dass viele Managerinnen zu wenig Erfahrung im General Management oder in Linienfunktionen gesammelt haben, um es wirklich bis ganz nach oben zu schaffen.

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