Freitag, 14. Dezember 2018

Mafia Der "Pate von New York" ist tot

John Gotti war einer der letzten Anführer der ehrenwerten Gesellschaft. Anfang der Woche starb der schmucke "Teflon Don", an dem keine Anklage hängen blieb, unstandesgemäß im Bett einer Gefängnisklinik.

John Gotti (1990)

New York - Der berüchtigte New Yorker Mafia-Boss John Gotti, der vielen als zweiter Al Capone galt, ist tot. Er starb am Montag im Alter von 61 Jahren an Kehlkopf-Krebs im Bundeskrankenhaus des US-Strafvollzugs in Springfield (Missouri). Auf der Steuerkarte des Mannes, der einst den größten Verbrecher-Clan Amerikas führte, stand bis zum Schluss "Verkäufer für Klempner-Artikel".

Schon in der 80er Jahren war dem FBI jedoch auch durch Gottis zur Schau gestellte Vorliebe für 2000-Dollar-Designer-Anzüge klar geworden, dass der Mann zur Einkommensspitze der Unterwelt gehörte. Sechs Jahre lang war er der "Pate von New York" - gefürchtet bei tausenden kleinen Gewerbetreibenden, Kneipenbesitzern, Dealern, Huren und Zuhältern, denen seine "Schutzgeld"-Eintreiber das Leben schwer machten. Heimlich bewundert wurde er von jenen, die nicht selbst unter der Mafia litten und amüsiert zusahen, wie "Dapper Don" (der "schmucke Don") immer wieder davon kam.

"Die Teflonschicht haben wir nun abgekratzt"

Dass alle Anstrengungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft lange an ihm abprallten, trug Gotti den zweiten Beinamen ein: "Teflon-Don". "Die Teflonschicht haben wir nun abgekratzt", sagte der New Yorker FBI-Chefermittler James Fox sichtlich erleichtert nach dem Ende des Prozesses, der den Paten des Gambino-Clans 1992 bis an sein qualvolles Ende hinter Gitter bringen sollte. "Gotti wäre größer als Al Capone geworden, wenn man ihn jetzt wieder frei gesprochen hätte."

Nur mit Hilfe eines «umgedrehten» Killers konnte die US-Justiz ihn zur Strecke bringen. "Sammy the Bull" Gravano half Ermittlern, Wanzen in der Gambino-Zentrale anzubringen. Zudem trat er als Kronzeuge auf. Der spektakulärste Mordbefehl Gottis war der, der ihn an die Spitze der Gambinos gebracht hatte. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte er 1985 seinen Getreuen erklärt, der amtierende Boss - "Big Paul" Castellano - wolle ihn und mehrere Gefolgsleute beiseitigen lassen.

Die Beseitigung von "Big Paul"

Tatsächlich hatte sich "Big Paul" als Hemmschuh für die Gotti-Fraktion erwiesen. Die drängte ins Heroin-Geschäft, das Castellano ablehnte. Ein Mordkommando erschoss ihn - wie in einem Film - mit Schnellfeuerwaffen vor einem Steakhouse. Die Täter trugen weiße Regenmäntel und schwarze Hüte mit breiten Krempen. Gotti sah aus sicherer Entfernung zu.

Erst in der vergangenen Woche wurden zwei Brüder Gottis und 15 weitere Mafia-Mitglieder angeklagt, Gewerkschaften und Unternehmen in den Hafenvierteln der Millionenstadt unter massiven Drohungen ausgebeutet zu haben. Dadurch wurde klar, dass die "Krake" immer noch lebt. Nach Überzeugung der Anklage haben Peter (62) und Richard V. Gotti (59) als neue Bosse des Gambino-Clans die Erpressung in den Uferzonen New Yorks befehligt. Zudem soll der Clan Hollywood-Produzenten zur Kasse bitten, wenn diese in New York ungestört Filme drehen möchten. Zu den Opfern gehört angeblich Action-Star Steven Seagal, der 150 000 Dollar pro Film gezahlt haben soll.

Thomas Burmeister, dpa

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