15.04.2002
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Ulrich Marseille
Peinliche Enthüllungen

Der umstrittene Klinik-Gründer und Spitzenkandidat für die Schill-Partei wurde nach Informationen des SPIEGEL während seines Jura-Studiums wegen eines Täuschungsversuchs vom Examen ausgeschlossen.

Hamburg - Ulrich Marseille, Gründer der Marseille-Kliniken AG Chart zeigen und Spitzenkandidat der rechten Schill-Partei für die Landtagswahl am 21. April 2002 in Sachsen-Anhalt, hat sich persönlich nicht immer an Recht und Ordnung gehalten. Das belegen nach Informationen des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL jetzt aufgetauchte Prozessakten.

  Parteifreunde : Ronald Schill, Ulrich Marseille (rechts)
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DDP

Parteifreunde: Ronald Schill, Ulrich Marseille (rechts)

Marseille verweist bis heute zwar gern auf sein Jura-Studium, verschweigt aber in der Öffentlichkeit das peinliche Ende der Juristenkarriere: Nachdem er 1983 an der Uni Bremen wegen einer miserablen Arbeit erstmals durchs Staatsexamen gerasselt war, flog er beim zweiten Mal 1984 bei einem Täuschungsversuch auf. So blieb Marseille, der damals noch seinen Geburtsnamen Hansel trug, ohne Bremer Jura-Abschluss.

Das Prüfungsamt ließ ihn danach nicht zu weiteren Prüfungen zu. Dagegen klagte Marseille durch mehrere Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht - letztlich erfolglos.

Das Prüfungsamt beschuldigte ihn vor Gericht, er habe zwei Chiffre-Anzeigen im "Hamburger Abendblatt" aufgegeben und einen Anwalt "gegen Honorarversprechen" beauftragt, die "wissenschaftliche Arbeit für ihn zu erstellen". Am 10.Dezember 1983 war in dem Blatt eine Chiffre-Anzeige (PG 6582 HA) erschienen: "Jurist gesucht, bei guter Bezahlung, für Examensarbeit, zivilrechtliches Thema noch wählbar".

Peinlich: Der "Ghostwriter" kam vom Prüfungsamt

Doch der Anwalt, der sich danach auf die Anzeige meldete, kam in Wahrheit im Geheimauftrag des Hamburger Prüfungsamts, wo die Annonce aufgefallen war. Marseille entschuldigte sich damit, er habe persönliche, familiäre und gesundheitliche Probleme gehabt und sich deshalb nicht genügend vorbereiten können.

  Umstritten : Wahlplakat für Ulrich Marseille
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Umstritten: Wahlplakat für Ulrich Marseille

In einem anderen Rechtfertigungsversuch erklärte er vor Gericht, der Ghostwriter habe ihm seine Hilfe geradezu "aufgeschwatzt". SPIEGEL-Fragen zu der verschärften Mogelei mochte Marseille bis zum späten Freitagnachmittag nicht beantworten.

Mehr Glück hatte Spitzenkandidat Marseille in einem Rechtsstreit mit der Medienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA). Sie hatte kürzlich mit einer Eilverfügung zwölf regionalen TV-Sendern im Land untersagt, einen Werbespot der börsennotierten Marseille-Kliniken AG auszustrahlen. Der Spot darf ab sofort wieder gesendet werden. Dies stellte am 11. April das Verwaltungsgericht Halle/Saale unter Vorsitz seines Präsidenten Milgram fest.

Gute Verbindungen zu Ex-"Bild"-Chef Tiedje

Hintergrund war der Vorwurf der MSA, es handele sich bei dem Fernsehbeitrag um einen politischen Werbespot.

  Kein Outperformer : Die Kursentwicklung der Marseille-Aktie
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Die 1984 gegründete Marseille-Kliniken AG ist nach eigener Auskunft einer der führenden privaten Anbieter von Altenpflege- und Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland.

Im Aufsichtsrat sitzt neben Ulrich Marseille (stellvertretender Vorsitzender) auch der Bundestags-Abgeordnete Peter Wilhelm Danckert (SPD). Operativ geleitet wird die WMP Eurocom AG unter anderem von dem gelernten Journalisten Hans-Hermann Tiedje (Ex-Chefredakteur "Bild", Ex-Chefredakteur "Tango"), der sich bei der gescheiterten Wiederwahl Helmut Kohls als Berater für den früheren Kanzler betätigt hatte.

Außerdem hatte Tiedje den Spitzenkandidaten Roland Koch bei der Hessen-Wahl 1999 beraten, die durch die Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft und spätere Enthüllungen über schwarze CDU-Kassen in die Schlagzeilen geraten war. Daneben trat er als Berater der eher glücklosen Jungunternehmer Lars Windhorst und Alexander Falk in Erscheinung.

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