Freitag, 14. Dezember 2018

ACG Gründer Boersch wird neuer Chef

Beim Chiphändler vollzieht sich erneut ein Führungswechsel. Ab sofort amtiert Cornelius Boersch als CEO. "Es war einfach der richtige Zeitpunkt für den Wechsel", sagte Boersch gegenüber manager-magazin.de.

Rückkehrer: Cornelius Boersch

Wiesbaden - Nach weniger als einem Jahr gibt Markus Solibieda (34) das Amt des Vorstandsvorsitzenden der ACG AG Börsen-Chart zeigen wieder ab. Solibieda werde mit sofortiger Wirkung von Firmengründer Cornelius Boersch (34) abgelöst, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss mit.

Zu den Gründen für seine überraschende Rückkehr sagte Boersch gegenüber manager-magazin.de: "Ich bin vor zwei Jahren bei ACG ausgestiegen, um für Otto Beisheim zu arbeiten und neue Erfahrungen zu sammeln. Jetzt war einfach der richtige Zeitpunkt, wieder in das Unternehmen einzusteigen." Gewiss habe es in dem einen oder anderen Punkt unterschiedliche Auffassungen in strategischen Fragen gegeben. Das sei allerdings normal. "Wir haben uns einvernehmlich getrennt", und Solibieda werde ACG künftig beratend verbunden bleiben.

"Vertrieb stärken und weiter wachsen"

Solibieda gehörte dem Vorstand drei Jahre an und war an der Durchführung des Börsengangs beteiligt. Er hatte sein Amt von Peter Bohn übernommen, der Anfang März 2000 bei ACG angetreten und bereits am 31. Juli 2001 wieder ausgeschieden war. Sein Wechsel zum Münchner Konkurrenten CE Consumer geschah damals relativ überrraschend, nachdem ACG seine Aktionäre mit einer unerwarteten Gewinnwarnung konfrontiert hatte.

 Abgelöst: Markus Solibieda
Abgelöst: Markus Solibieda
Boersch will sich künftig auf eine Stärkung des Vertriebs, auf Kunden und Mitarbeiter konzentrieren. Sein "eher introvertierter" Vorgänger habe sich mehr für die Zahlen verantwortlich gefühlt. Nun aber stehe die Gesellschaft vor einer neuen Phase des Wachstums und der Profitabilität. Er wolle wieder den "Spirit" und Spaß der frühen Jahre ins Unternehmen bringen.

Für die weitere Entwicklung beim Chipbroker, der im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 8,2 Millionen Euro gemeldet hatte, zeigte sich Boersch zuversichtlich. An der Prognose, im zweiten Halbjahr 2002 wieder schwarze Zahlen zu schreiben, halte ACG fest.

Früher als geplant in die Gewinnzone?

"Ich bin optimistischer als noch vor zwei Wochen", so Boersch, "dass wir dieses Ziel erreichen werden. Vielleicht auch schon etwas früher als bisher geplant." Zwar sei ein konjunktureller Aufschwung nicht in Sicht, aber das "Geschäft hat sich zuletzt eindeutig belebt."

Boersch, der bei ACG künftig neben der Außendarstellung und der Finanzmarktkommunikation auch für die M&A-Aktivitäten (Fusionen und Übernahmen) zuständig sein wird, schloss auch ein Zusammengehen mit anderen Anbietern für die Zukunft nicht aus. Er führe derzeit Gespräche mit mehreren Akquisitionskandidaten im Bereich Halbleiter. Eine Fusion mit dem Konkurrenten CE Consumer Börsen-Chart zeigen, über die in der Vergangheit wiederholt spekuliert worden war, sei gegenwärig jedoch "kein Thema".

Die am Frankfurter Neuen Markt gelistete ACG ist ein unabhängiger Komponenten- und Technologielieferant in den Märkten für Smart Cards, RFID und Halbleiter. Das Unternehmen beschäftigt 610 Mitarbeitern und ist an 36 Standorten in 19 Ländern vertreten.

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