Montag, 17. Dezember 2018

Finanzskandal "Nick Leeson der Adria"

Ein Devisenhändler aus Zagreb hat die kroatische Bank Rijecka durch einen groß angelegten Betrug fast in den Bankrott getrieben. Für einen Großteil des Millionenschadens wird die Bayerische Landesbank aufkommen müssen.

73 Millionen Dollar Verlust durch spekulative Geschäfte mit Devisen

Eduard "Edo" Nodilo war in kroatischen Finanzkreisen ein angesehener Mann. Als Chefdevisenhändler der Rijecka Banka, Kroatiens drittgrößtem Finanzinstitut, war seine Expertise überall gefragt. Nodilo hatte eine eigene wöchentlich erscheinende Zeitungskolumne und berichtete regelmäßig im Lokalradio über die Entwicklungen auf dem globalen Devisenmarkt.

Damit ist es jetzt vorbei. Der fünfzigjährige Nodilo, den Kollegen als einen hart arbeitenden Kettenraucher mit Herzproblemen beschreiben, ist seit kurzem der berüchtigtste Rogue Trader Osteuropas: Er soll durch spekulative Devisengeschäfte Verluste von mindestens 73 Millionen Dollar verursacht haben.

Auf den Spuren von Leeson und Rusnak

Nodilo ist damit schon der zweite Devisenhändler, der in diesem Jahr zu trauriger Berühmtheit gelangt. Sein Fall ähnelt dem von John Rusnak, der in den vergangenen fünf Jahren durch spekulative Deals bei der Allied Irish Bank einen Verlust von 691 Millionen Dollar angehäuft hatte. Ähnlich wie Rusnak oder Nick Leeson, dessen waghalsige Devisengeschäfte 1995 die britische Traditionsbank Barings in den Bankrott trieben, soll Nodilo sich nicht selber bereichert haben. Die kroatische Zentralbank, die den Fall untersucht, geht davon aus, dass der Rijecka-Banker frühere Verluste verschleiern wollte.

Auf großem Fuß lebte Nodilo nicht: Örtlichen Quellen zufolge wohnte der Cheftrader in einem Zwei-Zimmer-Apartment. Erst kürzlich soll er sein zwölf Jahre altes japanisches Auto durch einen Seat Cordoba ersetzt haben, den er ratenweise abzahlte. Nodilos Einkommen lag vor seiner Kündigung bei etwa 800 Dollar monatlich.

Grundkapital der Bank praktisch ausgelöscht

Der Rijecka Banka droht jetzt die Pleite. Die kroatische Zentralbank schätzt den entstandenen Schaden auf 73 bis 103 Millionen Dollar. Für eine Bank, deren Eigenkapital sich auf lediglich 118,9 Millionen Dollar beläuft ist das kein Pappenstiel. Zudem bestanden laut Zentralbank am Dienstag noch offene Devisenpositionen aus Nodilos Geschäften in Höhe von 20 Millionen Dollar, die für weitere Verluste sorgen könnten. Nach Bekanntwerden der Nachricht bildeten sich vor den Filialen der Rijecka lange Schlangen, weil Kunden versuchten, ihre Ersparnisse abzuheben. Nach Angaben des Rijecka-Geschäftsführers Ivan Stokic "sind die Einlagen gesichert und es gibt keinen Grund zur Sorge". Die kroatische Zentralbank, die Anteile an Rijecka hält, hat bereits 97,6 Millionen Dollar in die Bank gepumpt, um die drohende Pleite vorerst abzuwenden.

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