Montag, 17. Dezember 2018

BVMW Serviert Präsident Ohoven Kritiker ab?

Der Machtkampf beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft eskaliert. Nachdem kürzlich Dieter Härthe wegen Betrugsvorwürfen als Hauptgeschäftsführer fristlos entlassen wurde, ist nun auch der Vorsitzende des Berliner Landesverbands, Hans Wall, gefeuert worden: Er hatte Vorsteher Ohoven kritisiert.

Gibt sich unbeeindruckt und kämpferisch: Hans Wall
Berlin - Im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) nimmt der Streit um den Führungsstil von Verbandspräsident Mario Ohoven an Schärfe zu. Nach Kritik an Ohoven wurde der Landesvorsitzende von Berlin-Brandenburg, der Unternehmer Hans Wall, aus dem Verband ausgeschlossen. Einen entsprechenden Bericht der "Berliner Morgenpost" bestätigte der Bundesverband am am Mittwoch.

Begründet wurde der Schritt mit "verbandsschädigendem Verhalten". Wall hatte in einem Interview die Ablösung des Verbandsvorstehers verlangt und angekündigt, selbst für den Posten zu kandidieren. Im größten deutschen Mittelstandsverband, der rund 52.000 Unternehmen vertritt, wird seit vergangener Woche offenen und erbittert gestritten. Auslöser dafür war die fristlose Kündigung des langjährigen Hauptgeschäftsführers Dieter Härthe.

 Opfer einer Ohoven-Intrige? - Dieter Härthe sieht sich zu Unrecht beschuldigt
DPA
Opfer einer Ohoven-Intrige? - Dieter Härthe sieht sich zu Unrecht beschuldigt
Die Verbandsführung um Ohoven wirft dem 53-jährigen BVMW-Mitgründer vor, Verbandsgelder in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Der Schaden soll mehrere Millionen Euro betragen. Außerdem verdächtigt ihn die Führung des Verbandes, nach ersten Vorwürfen eine falsche Eidesstattliche Versicherung abgegeben zu haben. Härthe weist die Vorwürfe entschieden zurück. Er sieht darin eine Intrige des Verbandspräsidenten und beteuert, sich "kein einziges Mal zum Nachteil des Verbandes bereichert" zu haben.

Opfer finsterer Machenschaften?

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln gegen Härthe wegen Untreue und Betrugs. Härthe indes hält alle seine Aktivitäten für "mit meinem Dienstvertrag vereinbar" und ließ dem Verband per einstweiliger Verfügung verbieten, sich öffentlich zu den Entlassungsgründen zu äußern.

Härthe sieht sich als Opfer finsterer Machenschaften des Verbandspräsidenten Ohoven, im Hauptberuf Finanzberater in Düsseldorf. Das Verhältnis zwischen den einstigen Duzfreunden hatte sich schon seit einigen Monaten verschlechtert. Was seinen Grund dem Vernehmen nach nicht nur am ausgeprägten Ego der beiden Verbandsfunktionäre hatte, sondern auch daran, dass Ohoven selbst wegen umstrittener Fondsgeschäfte in die Kritik geriet.

Geschlagen geben sich die Ohoven-Kritiker trotz Entlassung und Ausschluss keineswegs. So kündigte Wall inzwischen an, trotzdem bei den im Juni anstehenden Vorstandswahlen gegen Ohoven kandidieren zu wollen. "Offensichtlich will Ohoven alle Kritiker mundtot machen. Aber in einem demokratischen Verband muss auch Kritik am Präsidenten erlaubt sein", sagte der Berliner Unternehmer der Nachrichtenagentur dpa.

Anmerkung der Redaktion:
Das Ermittlungsverfahren gegen Dieter Härte ist mittlerweile von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden, nachdem es keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten gab.

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