Mittwoch, 19. Dezember 2018

Percy Barnevik Das Ende einer Legende?

Einen Tag, nachdem bekannt geworden ist, dass der ABB-Konzern die dreistelligen Millionenabfindung von Ex-Chef Percy Barnevik teilweise zurückfordern will, tritt der einstige Vorzeigemanager aus dem Aufsichtsrat der schwedischen Finanzgesellschaft Investor zurück.

Galt einst als mächtigster Schwede: Percy Barnevik
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Galt einst als mächtigster Schwede: Percy Barnevik

Stockholm - Der schwedische Industrielle Percy Barnevik ist mit sofortiger Wirkung von seinem Posten als Aufsichtsrat der schwedischen Finanzgesellschaft Investor zurückgetreten. Dies teilte Vorstandschef Marcus Wallenberg am Donnerstag mit.

Barnevik war am Vortag bei der Bilanzveröffentlichung des schweizerisch-schwedischen Technologiekonzerns ABB die "unrechtmäßige" Aneignung von Bonuszahlungen über 148 Millionen Schweizer Franken (rund 100 Millionen Euro) nach seinem Rücktritt als Vorstands- sowie Aufsichtsratschef vorgeworfen worden. Der Konzern verlangt zumindest ein Teil des Geldes zurück. Barnevik wies die Vorwürfe zurück, äußerte sich aber nicht zu seinem Rücktritt bei Investor.

Damit ist die Karriere von Percy Barnevik, der sich zeitweise für den mächtigsten Mann Schwedens hielt, auf ihrem vorläufigen Tiefpunkt angelangt.

Erster Nicht-Amerikaner im GM-Vorstand

1982 übernahm der umtriebige Manager die Leitung des Asea-Konzerns. Unter seiner Führung kam das angeschlagene Unternehmen wieder auf die Beine. Spätestens nach der erfolgreichen Fusion mit dem eidgenössischen Traditionsunternehmen Brown Bovery (BBC) 1987 galt Barnevik als "Meistersanierer". Mit ABB (Asea Brown Boveri) hob der Topmanager einen der größten europäischen Industriekonzerne aus der Taufe.

Der Hype um "Barnevik-Superstar" kannte fortan keine Grenzen. Als erster Nicht-Amerikaner berief ihn General Motors (GM) in den Vorstand und mit der Wahl an die Spitze der Finanzgesellschaft Investor im April 1997 gebot Barnevik über die Hälfte aller an der Stockholmer Börse notierten Aktienwerte.

Mit der Berufung zum Chef des Wallenberg-Imperiums avancierte Barnevik vollends zum mächtigsten Schweden. Der Erfolgsverwöhnte scheute auch nicht davor zurück, sich mit seinen populärsten Landsleuten auf eine Stufe zu stellen. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" antwortete er auf die Frage, ob er neben dem König und dem Vorsitzenden der Sozialdemokraten der mächtigste Mann in Schweden sei, süffisant: "In ihrer Aufzählung haben sie Königin Silvia vergessen."

Dauerkonflikt mit Großaktionär leitet den Fall ein

Spätestens mit dem Absacken des Handy-Herstellers Ericsson gegenüber dem findigeren finnischen Konkurrenten Nokia aber begann Barneviks Stern zu sinken. Dabei galt der Sohn einer bescheidenen Druckerfamilie aus Simrishamn eher als Vertreter einer Industriellenkultur, der langfristige Planung wichtiger ist als der Aktienkurs beim nächsten Quartalsbericht. Genau das aber trieb Barnevik, der bei ABB 1996 vom Vorstandsvorsitz an die Spitze des Aufsichtsrats wechselte, nach Meinung der heimischen Wirtschaftspresse in einen Dauerkonflikt mit dem Schweizer Ebner.

Dass Barnevik den Verkauf der 1989 übernommenen und nun verlustreichen US-Tochter Combustion Engineering verhinderte, gilt in Stockholm als ausschlaggebend für den jetzigen "Rachefeldzug" aus Zürich. Dabei dürfte aber auch nicht ganz ohne Bedeutung gewesen sein, dass Barneviks Ruf bei den Wallenbergs unter der Schwächung des legendären Familienimperiums an der Stockholmer Börse gelitten hat.

Inzwischen sitzt Familienspross Marcus Wallenberg im Chefbüro von Investor. "Svenska Dagbladet" zeigte Mitleid: "Von einem der am meisten gefeierten Konzernchefs der Welt ist Percy Barnevik zu einem Mann geworden, der jetzt sogar von Unternehmen gedemütigt werden kann, die er selbst geschaffen hat."

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