23.01.2002
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Kim Schmitz
Kimble bleibt stumm

Von Karsten Schmidt

Was macht eigentlich ein inhaftierter Web-Betrüger ohne Internetzugang? Er sagt so wenig wie nur möglich. Wie Kim Schmitz, der beim Verhör der Staatsanwaltschaft lediglich zu spärlichen Statements bereit war. Von Karsten Schmidt

Die Wahrheit über Kimble: Das Bild ist verschwommen
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Die Wahrheit über Kimble: Das Bild ist verschwommen

München - Der selbst ernannte Computer-Experte und mutmaßliche Börsen-Betrüger Kim Schmitz ist in der Münchner Untersuchungshaft erstmals zu den Vorwürfen des Insider-Handels vernommen worden. Dabei habe der 28-Jährige ganz knappe Angaben gemacht, berichtete am Mittwoch der Leiter der Staatsanwaltschaft München I, Manfred Wick. Anfang der kommenden Woche soll der Beschuldigte von der zuständigen Staatsanwältin nochmals ausführlich vernommen worden.

Schmitz soll sich durch betrügerischen Insider-Handel mit Aktien des niederländischen Nemax-Unternehmens Letsbuyit.com Chart zeigen einen Gewinn von mehr als 1,1 Millionen Euro erschwindelt haben. Er war nach Bangkok geflüchtet, von der thailändischen Polizei aber nach Deutschland ausgeliefert worden. Am Dienstagmorgen war Schmitz am Münchner Flughafen angekommen und umgehend in das Gefängnis München-Stadelheim gebracht worden.

Dr. Kimbles gesammeltes Schweigen

Schmitz gilt als schillernde Figur im Internet-Business. Er war als Computer-Hacker in München bekannt geworden und hatte seine Kenntnisse über Sicherheitslücken später an Firmen verkauft. Mit diesen Computergeschäften und mit Aktienhandel soll er Millionen verdient haben, inzwischen aber bankrott sein.

Der Drei-Zentner-Mann hatte stets einen aufwendigen Lebensstil und zeigte sich gern mit schönen Frauen in luxuriösem Ambiente. Er hatte früher einmal gesagt, er wolle binnen zehn Jahren zu den zehn reichsten Männern der Welt gehören.

So also geht es einem Mann, der sich vor allem über das Web definierte. Das paradiesische Leben des Kim Schmitz war auf der Seite www.kimble.org bis vor kurzem in Hunderten von digitalen Fotos abrufbar. Schmitz in Thailand, in der Karosse, am Strand, auf seiner (?) Yacht. Die opulente Bilderwelt stand jedem, der sich auch nur einen Jota dafür interessierte, sperrangelweit offen.

Inzwischen sind die Dateien verschwunden, und zurück bleibt auf der Homepage das virtuelle Gebäude einer Persönlichkeit, die augenscheinlich zur Selbstüberschätzung neigte. King Kimble will mit allen Größen dieser Welt anbandeln, vom US-Präsidenten bis zum Papst - Hauptsache, die Publicity stimmt.

Sollte Kim Schmitz tatsächlich an seine Phantasien glauben, schweigt er, weil er der Wirklichkeit nicht ins Gesicht blicken kann. Schweigt er, weil er ohne Anwalt nichts sagen will, bleibt vom großen Schmitz nur der kleine Hochstapler übrig.

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