Donnerstag, 18. Oktober 2018

Kim Schmitz Rolling home

Das umstrittene Hacker hat auf seiner Homepage erklärt, er sei mit Deutschland fertig. Doch Deutschland ist offenbar noch nicht mit ihm fertig. Der in Bangkok Festgenommene soll bereits am morgigen Dienstag an die bayerischen Behörden ausgeliefert werden.

Bangkok - Mangel an Mitteilsamkeit wird ihm selten vorgeworfen. Kaum aber sitzt Kim Schmitz wegen Betrugsverdachts im Knast in Thailand, sagt er kein einziges Wort mehr. Und wieso eigentlich "sitzt" im Knast? Der Häftling liege Stunde um Stunde im Bett, weiß die Staatsgewalt in Bangkok zu berichten.

Er lehnt es ab zu sprechen. Über irgendwas. Mit irgendjemandem. Kim Schmitz schweigt, seit er am Freitag in die Fänge der thailändischen Polizei geriet. Und fast ständig wälzt er sich im Bett, klagt ein Sprecher der thailändischen Einwanderungspolizei.

Allein für die "Bild am Sonntag" scheint "Dr. Kimble" eine Ausnahme gemacht zu haben. Ihr sagte er angeblich verschnupft: "Wie soll ich Insiderwissen verwendet haben, wenn ich bei Letsbuyit.com Börsen-Chart zeigen weder im Vorstand noch im Management war?"

Selbstmord angekündigt

Via Internet hatte Schmitz erst kürzlich kundgetan, er sei mit Deutschland "fertig" und werde von Kriminellen bedroht. Außerdem kündigte er für seinen Geburtstag am Montag seinen Selbstmord an - den wollte er live im Internet übertragen. Da aber kam ihm die thailändische Polizei in die Quere.

Schade für Schmitz übrigens, dass er im Gefängnis keinen Internet-Anschluss hat. Denn seine Festnahme sorgt international für Schlagzeilen, das dürfte ihm gefallen. "German tycoon in Thai custody" titelt eine amerikanische Agentur. Tycoon, das klingt gut und ein bisschen nach Silvio Berlusconi oder den Warner Brothers. Mit denen freilich hat Schmitz wenig gemeinsam. Höchstens die Größe seines Egos.

Dringender Tatverdacht auf Insiderhandel

Geschnappt wurde Schmitz am Freitag, auf dringende Bitten der deutschen Botschaft in Thailand. Bei der Staatsanwaltschaft München liegt ein Haftbefehl wegen "dringendem Tatverdacht auf Insiderhandel an der Börse".

Hintergrund: Anfang 2001 hatte der selbst ernannte Hackerkönig angekündigt, seine Kimvestor AG wolle sich mit einem millionenschweren Betrag an der Rettung der Nemax-Firma Letsbuyit.com beteiligen. Das verschaffte der Aktie innerhalb weniger Tage ein Plus von weit über 100 Prozent.

Interessanterweise war die Aktie schon unmittelbar vor der Meldung deutlich angestiegen, und das bei auffällig hohen Umsätzen. Das wurde auch vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) registriert.

"Wir haben nach einer Insideruntersuchung bei der Münchener Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet, weil der Verdacht entstanden war, dass in Letsbuyit.com-Aktien verbotener Insiderhandel stattgefunden hat", sagte eine BAWe-Sprecherin. Alle weitergehenden Ermittlungen lägen nun bei der Staatsanwaltschaft in München.

Werbung mit Prominenten aus der Wirtschaft

Vorgehalten wird Schmitz darüberhinaus, dass er auf seiner Homepage unter fragwürdigen Umständen Anteile auf sein Unternehmen zum Kauf anbot. Das Geld sollte auf eines seiner Konten überwiesen werden. Unter anderem warb er mit der Aussage, Kimvestor hätte prominente Personen aus der deutschen Wirtschaft für den Aufsichtsrat geworben.

Wörtlich hieß es in dem Text: "Der Aufsichtsrat der Kimvestor AG setzt sich wie folgt zusammen: 1. Professor Gerhard Barth (Vorstand - Dresdner Bank), 2. Gerrit Huy (Vorstand - KirchPayTV / Kirch Gruppe), 3. Dr. Dieter Haban (CEO - DaimlerChrysler TSS)." Diese Aussage erwies sich als unrichtig. Die betreffenden Personen bestritten den Sachverhalt.

"Marktkapitalisierung von einer Milliarde Euro"

Ähnlich fragwürdig war die Aussage: "Kimvestor wird innerhalb von 5 Jahren eine Marktkapitalisierung von einer Milliarde Euro erreichen." Bislang jedenfalls sieht es nicht so aus, als würde sich diese Zusicherung jemals erfüllen.

Wie die deutsche Botschaft mitteilte, wird der Münchener New-Economy-Blender vermutlich schon am Dienstag wieder in Deutschland sein. Der frühere Hacker soll noch am Montagabend abgeschoben werden, wie die thailändische Polizei erklärte.

Generalleutnant Hemarach Thareethai, der Leiter der Einwanderungsbehörde, sagte, Schmitz werde Thailand mit einer Lufthansa-Maschine verlassen. Er werde dann am Dienstagmorgen in Frankfurt am Main sein. Von dort aus soll Schmitz dann mit einem anderen Flugzeug nach München gebracht werden.

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