Sonntag, 9. Dezember 2018

Kim Schmitz Zugriff in Bangkok

2. Teil: Das Sündenregister des "Dr. Kim Schmitz"

Am 23. März 1998 hatte die 6. Strafkammer des Landgerichts München I (AZ: 6 KLs 315 Js 18225/ 94) den selbsternannten Hacker-König zu einer Jugendstrafe von 2 Jahren verurteilt. Die Vollstreckung wurde zur Bewährung ausgesetzt, wobei das Gericht anmerkte: "Die vom Angeklagten Schmitz erlittene Untersuchungshaft wird darauf nicht angerechnet."

Die Gefängniserfahrungen des Hackers werden in der Urteilsbegründung ausführlich gewürdigt. Ein Auszug: "Im vorliegenden Fall wurde der Angeklagte zweimal inhaftiert, und zwar am 16.03.1994 aufgrund Haftbefehls des Amtsgerichts Deggendorf vom 21.02.1994, der am 13.04.1994 außer Vollzug gesetzt wurde. Darüber hinaus vom 23.06.1994 aufgrund Haftbefehls des Amtsgerichts München vom 24.06.1994, der am 22.07.1994 außer Vollzug gesetzt wurde."

Umfangreiches Sündenregister

In dem Verfahren war Schmitz unter anderem folgender Vergehen überführt worden:

- Computerbetrug in 8 Fällen, jeweils tateinheitlich mit Ausspähen von Daten und Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen
- Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen
- Beihilfe zum Computerbetrug
- gewerbsmäßige Bandenhehlerei in zwei Fällen, davon in einem Fall in Tateinheit mit vier Fällen der Fälschung beweiserheblicher Daten, im anderen Fall in Tateinheit mit acht Fällen der Fälschung beweiserheblicher Daten
- Mißbrauch von Titeln.

Kreditkarte für "Dr. Kim Schmitz"

Der letzte Punkt bezieht sich auf einen Vorgang, der in der Urteilsbegründung wie folgt beschrieben wird: "Am 07.10.1996 beantragte Schmitz, der keinen Hochschulabschluß und demgemäß keinen akademischen Grad aufweist, (...) die Erteilung einer Citibank-VISA-Kreditkarte auf seinen Namen. Dabei gab er sich nicht nur als Vorstand seiner Firma Data Protect aus, die er wahrheitswidrig als Aktiengesellschaft darstellte, sondern beantragte ausdrücklich, seinen Namen unter Voranstellung eines Doktortitels in die Karte einzuprägen."

Dies geschah dann auch. In den Ausführungen des Gerichts ist dazu zu lesen: "Entsprechend diesem Antrag erhielt Schmitz eine VISA-Card auf den Namen Dr. Kim Schmitz ausgestellt, die er in der Folge regelmäßig zu Zahlungsvorgängen einsetzte."

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