Montag, 29. August 2016

Personalabbau Mit ruppigen Methoden

Kündigungen und Stellenstreichungen gehören in der aktuellen Entlassungswelle für viele Manager zum unangenehmen Alltagsgeschäft. Aus vermeintlichem Zeitmangel oder weil arbeitsrechtliche Grundkenntnisse fehlen, geht manche Führungskraft mit Brachialgewalt vor. Den Schaden hat die Firma.

Das Ende kam an einem warmen Julitag. Auf einer überraschend angesetzten Konferenz eröffnete die Geschäftsleitung der ahnungslosen Belegschaft, 12 von 32 Mitarbeitern erhielten noch am selben Tag ihre Kündigung. Das Unternehmen werde an einen amerikanischen Investor verkauft, der eine schlanke Organisation verlange.

Wer gekündigt und ab sofort freigestellt war, fand seinen Namen auf dem Flipchart im Konferenzraum. In der Nacht zuvor hatte die Firma die E-Mail-Zugänge der Betroffenen sperren und sämtliche Dateien in ihren Computern sichern lassen. Alles reine Vorsicht, man wisse ja nie, rechtfertigten sich die Manager. Ehemalige Mitarbeiter erzählen die Episode noch immer ehrlich empört: Wie Kriminelle hätten sie sich gefühlt.

Ob die Kündigungsaktion bei der Hamburger Internet-Firma ISyndicate, bis zum Verkauf in die USA eine 50-prozentige Tochtergesellschaft des Bertelsmann-Konzerns, geltendes Recht verletzte oder nur unglücklich vonstatten ging, kann dahinstehen. Ein Imageschaden ist jedenfalls entstanden. Dass das ehemalige Management betont, es habe den Kündigungsopfern Abfindungen und Hilfe bei der Jobsuche angeboten, hilft da nicht viel.

Auseinandersetzungen wie bei ISyndicate belasten derzeit nicht nur die New Economy. Die Angst vor der Rezession treibt selbst Großunternehmen dazu, "mit Hauruck-Entscheidungen retten zu wollen, was zu retten ist", weiß der Düsseldorfer Arbeitsrechtsanwalt Stefan Röhrborn aus seiner täglichen Praxis (siehe: "Mit Augenmaß durch die Krise").

Quer durch alle Branchen und Unternehmensgrößen müssen Personalkosten gesenkt und abertausende Arbeitsplätze gestrichen werden.

Nicht immer stehen solche Maßnahmen im Einklang mit dem Arbeitsrecht. Ein riskantes Spiel: Setzt sich ein Unternehmen nur dem Verdacht des Rechtsbruchs aus, ist der Betriebsfrieden dahin, das Ansehen leidet, die Gewerkschaften machen Druck. Kommt die Sache gar vor das Arbeitsgericht, können saftige Kosten anfallen.

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