Montag, 10. Dezember 2018

Wort des Jahres "Der 11. September"

Die Terroranschläge haben den Sprachgebrauch wesentlich beeinflusst. "Homo-Ehe", "Luder-Liga" und "Riester-Rente" wurden auf die Plätze verwiesen.

Wiesbaden - Die Wahl zum Wort des Jahres stand in diesem Jahr ganz unter dem Zeichen der Terrorattacken in den USA. Das Wort des Jahres 2001 ist "Der 11. September". Dies gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag bekannt. Auch die nächsten drei prägenden Wörter des Jahres beziehen sich auf die schrecklichen Ereignisse in den USA: "Anti-Terror-Krieg", "Milzbrandattacke" und "Schläfer". Dann erst folgen mit den Worten "Stammzellenimport", "Schlafmünzen", "Homo-Ehe", "Agrarwende", "Luderliga", "Riester-Rente", Wörter, die nicht unmittelbar mit den Ereignissen des 11. September in Verbindung gebracht werden.

Das Wort des Jahres 2001: Der 11. September
Die Terroranschläge in New York und Washington haben nach Wertung der GfdS-Jury im zu Ende gehenden Jahr den Sprachgebrauch auch in Deutschland wesentlich beeinflusst.

"Der 11. September" stehe wie kaum ein anderer Ausdruck für die Terrorakte in den USA, urteilte die Jury. "Nach dem 11. September ist nichts mehr wie es war" - dieser Satz sei immer wieder zu hören gewesen. Aus diesem Grund seien auch drei weitere Wörter gewählt worden, die mit den Anschlägen in unmittelbarem Zusammenhang stünden.

Bei "Anti-Terror-Krieg" war nach Ansicht der Sprachgesellschaft erstaunlich, wie schnell der Ausdruck "Krieg" zur Gewohnheit geworden sei. Als weitere Facette des Terrors seien den Anschlägen "Milzbrandattacken" gefolgt. Das Wort "Schläfer" für einen Geheimagenten in Wartestellung sei zwar nicht neu, doch sei es für auf einen Einsatz wartende Terroristen erst dieses Jahr ins Bewusstsein der Bevölkerung gelangt.

"Luder" hat auch positive Bedeutung

Das Wort "Stammzellenimport" stehe für eine im Jahr 2001 erstmals auf breiter Basis geführte Diskussion, die sowohl die Politik als auch die Gesellschaft in den kommenden Jahren weiter beschäftigen werde. Die Bezeichnung "Homo-Ehe" ist nach Darstellung der Jury eine kurze und prägnante Variante der seit 1. August gesetzlich ermöglichten "eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft".

Eine Bedeutungsentwicklung habe der Begriff "Luder" durchgemacht. Inzwischen werde er auch als positiv gedachte Selbstbezeichnung verwendet und finde sich in zahlreichen Zusammensetzungen. Am prägnantesten sei das Wort "Luder-Liga". Mit der "Riester-Rente" wurde eine weitere Alliteration (aufeinander folgende Wörter mit gleichem Anfangsbuchstaben) zu einem der Wörter des Jahres 2001. Sie bezeichnet die staatlich geförderte private Altersvorsorge.

Als Verb schaffte es "simsen" in die Wörterhitliste 2001, die Bezeichnung für das Verschicken von Kurzmitteilungen per Handy. Die GfdS-Jury wertete "simsem" als "eines der seltenen Beispiele für eine Ableitung aus einem Kurzwort (SMS), zur besseren Sprechbarkeit mit eingeschobenem Vokal."

Als "Satz des Jahres" kürte die Sprachgesellschaft "Und das ist (auch) gut so!", mit dem sich der Berliner SPD-Politiker Klaus Wowereit zu seinem Schwul-Sein bekannte. Über den direkten Bezug hinaus sei dieser Satz innerhalb kürzester Zeit zum geflügelten Wort geworden.

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