Montag, 10. Dezember 2018

Andreas Schmidt AusgeNapstert

Der Medien-Manager verlässt die Bertelsmann eCommerce Group. Schmidt war unter anderem verantwortlich für die strategische Allianz mit der Musiktauschbörse Napster, deren Neustart mit einem kostenpflichtigen Abo-Angebot seit Monaten immer wieder verschoben wird.

Gütersloh - Wie Branchenkenner bereits seit einiger Zeit erwarteten, verlässt Andreas Schmidt, President und CEO der Bertelsmann eCommerce Group sowie Chairman und CEO bei BeMusic, die Bertelsmann AG - "auf eigenen Wunsch", wie ein Sprecher des Gütersloher Unternehmens betont. Der umtriebige Medien-Mann will sich nun, wie es heißt, "neuen unternehmerischen Herausforderungen" stellen. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt.

Der letzte große Auftritt: Andreas Schmidt (2. v.l.) nach dem Einstieg bei Napster
Der 40-jährige Schmidt hatte sich zuletzt im November 2000 durch den Bertelsmann-Einstieg bei Napster ins Gespräch gebracht. Dem Vernehmen nach zahlten die Gütersloher für diesen Deal rund 60 Millionen Dollar. Etwa ein Jahr später schoss der Konzern erneut nach; diesmal lag die Summe nach Branchen-Berichten bei rund 26 Millionen Dollar.

Geplant war, die Internet-Plattform in einen kostenpflichtigen Abo-Service umwandeln. Dieses Vorhaben jedoch geriet immer mehr ins Stocken, da zahlreiche juristische und technische Probleme auftraten.

Noch im November letzten Jahres hatte Schmidt optimistische Prognosen für die Zukunft von Napster abgegeben. Im Interview mit der von ihm gegründeten Zeitschrift Online Today (Gruner + Jahr) sagte er: "Napster wächst jetzt schneller als jemals zuvor, im Moment mit knapp 300.000 Neukunden pro Tag. Und ich sehe nicht, dass dieses Wachstum abebbt." Seine Erwartungen waren hoch. "Napster", so Schmidt, "wird sozusagen der Garantiegeber für Musik in 1A-Qualität."

Napster: Treffpunkt für Rechtsextreme und Porno-Fans

Ganz falsch war diese Prognose nicht. Das Wachstum entwickelte sich allerdings anders als geplant. Nach Erkenntnissen des niedersächsischen Verfassungsschutzes wurde Napster immer mehr zur zentralen Plattform für den Austausch rechtsextremer Musik.

Ein Sprecher der Behörde sagte im Dezember 2000, bei Napster würden inzwischen alle indizierten und strafbewährten Titel getauscht. Die Tauschbörse habe dafür gesorgt, dass Rechtsextreme ungestört Titel verbreiten könnten, in denen zu Mord aufgerufen werde. Außerdem beobachteten Branchen-Experten eine deutliche Zunahme des Austausches von Porno-Dateien über die Napster-Plattform.

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