Freitag, 14. Dezember 2018

Die Malik-Kolumne Wofür Wertsteigerung?

Die Vorstellung, Wertsteigerung müsse Ziel eines Unternehmens sein, ist falsch. Ihr liegt die gefährliche Verwechslung von Investor und Unternehmer zu Grunde. Aus den Folgen, die in Japan schon lange sichtbar sind, sollte man lernen.

Management-Guru Fredmund Malik
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Management-Guru
Fredmund Malik

Mit der Ernüchterung, die sich an den Börsen verbreitet und der Zunahme der roten Zahlen auf den Konten der Anleger entpuppen sich auch immer mehr Wirtschafts-Schlagwörter der letzten Jahre als das, was sie immer schon waren: gut verpackter Mangel an Sachverstand. Dazu gehören unter anderem größere – nicht alle - Teile des Wertsteigerungsthemas. Insbesondere ist die Vorstellung falsch, Wertsteigerung müsse Ziel und Zweck, gar das einzige Ziel und der oberste Zweck eines Unternehmens sein.

Es ist kein Zweck des Unternehmens, wertvoll zu sein. Aktionäre mögen dies wohl für dessen Zweck halten – nämlich dann, wenn sie in Wahrheit nicht am Unternehmen interessiert sind, sondern an den Papieren, die das Eigentum am Unternehmen verbriefen – eben den Aktien, und wenn sie Aktien mit Unternehmen verwechseln.

Aus diesem Grunde findet sich auch in keinem Gründungsstatut ein Satz nach dem Muster, dass "hiermit eine Aktiengesellschaft gegründet wird, mit dem Zwecke, wertvoll zu sein". In den Statuten finden sich andere Zweckbestimmungen, etwa dass der Zweck der zu gründenden Aktiengesellschaft der "Handel mit Waren aller Art" oder "das Betreiben von Bankgeschäften" oder "die Herstellung von Software" sei.

Wettbewerbsfähigkeit statt Wertsteigerung

Zweck des Unternehmens muss es sein, auf seinem Gebiet wettbewerbsfähig zu sein. Das ist etwas ganz anderes als wertvoll. Konkurrenzfähig ist ein Unternehmen dann, wenn es das, wofür der Kunde bezahlt, besser kann als andere. Daher kann man auch sagen, der Zweck des Unternehmens sei es, zufriedene Kunden zu schaffen. Weder das Schaffen von Arbeitsplätzen kann ein Zweck des Unternehmens, noch kann es das von Shareholder-Value sein. Der Zweck eines Unternehmens ist auf das Schaffen von Customer-Value auszurichten.

Zwischen dem Wert eines Unternehmens – egal wie man ihn ermittelt – und seiner Konkurrenzfähigkeit gibt es keinen kausalen Zusammenhang. Man kann, wie die Börse jetzt jeden Tag auch den Uneinsichtigsten zeigt, eben gerade nicht vom Wert der Aktie auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens schliessen. Man kann daraus nur auf Naivität, Gier und Angst der Anleger Schlüsse ziehen. Umgekehrt kann es einen Zusammenhang geben, es muss aber nicht so sein. Die Kausalbeziehung zwischen Konkurrenzfähigkeit und Aktienwert ist in keiner Weise zwingend, wie die Bewertungsexzesse der letzten Jahre eindrücklich zeigen.

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