Mittwoch, 14. November 2018

Klaus Kocks Zwischen Brecht und kernigen Sprüchen

Mit dem Abgang von Klaus Kocks von der Bühne des Wolfsburger Autokonzerns geht mehr als nur ein schlichter Pressesprecher.

Vermutlich wegen dem anstehenden Wechsel an der Spitze von VW wird mit Klaus Kocks (rechts) auch ein Vertrauter von VW-Chef Ferdinand Piech das Unternehmen verlassen.

Wolfsburg - Seine Doktorarbeit schrieb er über Bertolt Brecht, er liebt kernige Sprüche und gilt als gewiefter Taktiker. Der gebürtige Oberhausener Klaus Kocks zog in den vergangenen Jahren im Hintergrund bei Volkswagen geschickt die Fäden. Gleichzeitig wurde er mit seiner scharfzüngigen Ironie auf dem Posten in Wolfsburg zu einem bekannten Namen in der PR-Branche.

Als der heute 49-jährige Kocks 1996 zu Volkswagen kam, bestimmte die Affäre um den spanischen Manager und "Kostenkiller" Jose Ignacio Lopez die Schlagzeilen. Konzernchef Ferdinand Piech hatte Lopez beim Konkurrenten Opel abgeworben. Lopez wurde vorgeworfen, kistenweise Unternehmensgeheimnisse mitgebracht haben. Dass VW damals auf dem Weg war, sich zu einem profitablen Autokonzern zu entwickeln, rückte in den Hintergrund. Kaum hatte Kocks auf dem Stuhl in Wolfsburg Platz genommen, änderte sich das schlechte Image von VW in der Öffentlichkeit. Mit einer Einigung in der Lopez-Affäre verschwand es bald. Piech konnte sich fortan auf die Entwicklung des Konzerns konzentrieren.

Schutzwall für Piech

Kocks fungierte in den Jahren als eine Art Schutzwall für Piech und ließ nur wenige Journalisten nahe an den Konzernlenker heran, denn dieser scheut die Presse. Ohnehin wusste er auf der Klaviatur der Medien zu spielen, gestehen ihm selbst Kritiker zu. Er verteilte gezielt exklusive Geschichten rund um VW, um so den gewünschten Effekt zu erreichen.

Kocks begann seine industrielle Laufbahn 1985, als er Geschäftsführer der Informationszentrale der Elektrizitätswirtschaft in Frankfurt wurde. Drei Jahre später wechselte er zu Aral als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. Nach Stationen bei VIAS und VAW Aluminium ging er 1993 zur Ruhrgas AG nach Essen und übernahm dort die Öffentlichkeitsarbeit.

Um das Alltagsgeschäft der Pressestelle bei VW hat Kocks sich nach außen hin wenig gekümmert. Er überließ seinem Team scheinbar weitgehend freie Bahn. Nur die aus seiner Sicht wirklich wichtigen Themen in der Kommunikation übernahm er selbst. So etwa, als vor einigen Wochen ein Magazin berichtete, Kocks solle für Niedersachsens Ministerpräsident Siegmar Gabriel (SPD) Wahlkampfmanager werden. Umgehend rief Kocks in den Redaktionen an und wies mit entrüstetem Ton alles als Spekulation zurück. Allerdings wissen Beobachter der Landespolitik in Hannover, dass sich Gabriel und Kocks ausgesprochen gut verstehen.

PR-Manager des Jahres 1997

Piech selbst hatte über Kocks in der Laudatio zum "PR-Manager des Jahres 1997" geschrieben, er sei ein strategischer Vorausdenker, der taktisch handelt und nicht vor unüblichen Dingen zurückschrecke. Er denke in komplexen Strukturen und handele politisch. Möglicherweise wird er davon in Zukunft profitieren können, heißt es in Hannover.

Der bevorstehende Wechsel an der Spitze von VW wird sein übriges getan haben, hießt es in politischen Kreisen. Schließlich endet im Frühjahr die Ära Piech. Und dass Kocks nun die wichtige Funktion der Konzernkommunikation freimacht, bewerten Beobachter in Hannover auch als ein Zeichen, dass der ehemalige BMW-Chef und neue VW-Spitzenmann Bernd Pischetsrieder seine eigenen Mannen um sich schart.

Hartwig von Saß, dpa

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