Mittwoch, 14. November 2018

Karl-Eduard von Schnitzler "Sudel-Ede" ist tot

Der langjährige DDR-Fernsehkommentator ist am Donnerstag im Alter von 83 Jahren gestorben.

Karl-Eduard von Schnitzler
DPA
Karl-Eduard von Schnitzler

Berlin - Wie seine Witwe am Abend in Berlin bestätigte, starb Schnitzler an den Folgen einer Lungenentzündung. Der überzeugte Kommunist, der auch nach der Wende die DDR publizistisch verteidigte, hatte viele Jahre lang im DDR-Fernsehen die Sendung "Der schwarze Kanal" geleitet. Darin prangerte er das System der Bundesrepublik an.

Diese Sendung trug ihm auch den Beinamen "Sudel-Ede" ein. Scharfzüngig zerpflückte er insgesamt 1519 Mal Sendungen des westdeutschen Fernsehens, schnitt Bilder und Kommentare dabei so zusammen, dass sie das SED-Motto "Der Sozialismus ist gut, der Kapitalismus schlecht" transportierten. Am 30. Oktober 1989, kurz vor dem Fall der Mauer, kam für ihn das "Aus" auf der Mattscheibe.

Ein "Wendehals" war Schnitzler nicht. Mit Glückwunsch-Blumen stand er zu Erich Honeckers 80. Geburtstag vor der Moabiter Haftanstalt im Regen. Seinen Überzeugungen blieb er bis zum Ende treu. In seinem Buch "Der Rote Kanal - Armes Deutschland" prangerte er wie früher den Kapitalismus an und verteidigte die 40 Jahre DDR.

Auf Adenauers Knien

Schnitzler, geboren am 28. April 1918, wuchs als jüngster Sohn des Generalkonsuls und königlich-preußischen Geheimen Legationsrates Julius Eduard von Schnitzler in Köln auf. Er besuchte ein Internat in Bad Godesberg und saß als Kind auf den Knien Konrad Adenauers.

Im Zweiten Weltkrieg war der Kommunist und Antifaschist 1944 in britische Gefangenschaft geraten. Noch im gleichen Jahr wurde er Mitarbeiter der BBC. Die Briten schickten ihn zum Aufbau des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) nach Köln, wo er bis Juni 1947 Leiter der politischen Abteilung und stellvertretender Intendant war. Ende 1947 schied er aus dem Sender aus, bei der er zuletzt im Funkhaus Hamburg als politischer Kommentator tätig war. Er siedelte in die damalige sowjetische Besatzungszone um, wurde Mitarbeiter des Berliner Rundfunks und trat der SED bei.

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