Sonntag, 16. Dezember 2018

Thomas Haffa Hoch geflogen, tief gestürzt

In Erfolgszeiten galt der Chef des Medienunternehmens EM.TV als "Sunnyboy". Doch mit den überteuerten Übernahmen sank der Stern des Kirch-Zöglings. Nun ist Haffa zurückgetreten und entgeht damit wütenden Aktionärsprotesten auf der nahen Hauptversammlung.

München - Kaum ein Unternehmer in Deutschland ist in den vergangenen Jahren so hoch gestiegen und so tief gestürzt wie EM.TV-Gründer Thomas Haffa. Noch vor gut zwölf Monaten war der 49-Jährige mehrfacher Milliardär und galt als der Vorzeige-Unternehmer am Neuen Markt.

Geht nicht in Armut: Den Verkaufswert der Anteile von Thomas Haffa schätzen Experten auf 180 Millionen Mark
AP
Geht nicht in Armut: Den Verkaufswert der Anteile von Thomas Haffa schätzen Experten auf 180 Millionen Mark
Doch im vergangenen Jahr begann mit der Korrektur der Gewinnerwartungen der steile Abstieg, im Zuge der Krise nahm die Münchener Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf. Nach der Präsentation eines Rekordverlusts von knapp 2,6 Milliarden Mark galt Haffa nun als Symbolfigur für die Krise am Neuen Markt.

Sein Handwerk hatte Haffa bei der Kirch-Gruppe gelernt. Dort baute er das Video-Geschäft mit auf. 1989 machte er sich selbständig, gründete EM.TV und kaufte einen Programmstock von mehr als 30.000 halben Stunden Kinder- und Jugendprogramm zusammen.

Übernommen hat sich der Konzern nach Einschätzung von Beobachtern spätestens mit den milliardenschweren Übernahmen im vergangenen Jahr. Für die Formel-1-Beteiligung und Jim Henson Company ("Muppetshow") habe Haffa in der Wachstumseuphorie einen viel zu hohen Preis bezahlt. Abschreibungen und Wertberichtigungen führten zu den drastischen Verlusten.

Leo Kirch - Haffas "echter" Freund

Haffa galt in Erfolgszeiten als Sunnyboy. Braun gebrannt posierte er auf der eigenen Yacht für die Kameras der Journalisten, auf Hauptversammlungen ließ er sich nach dem kometenhaften Aufstieg hymnisch feiern. Auch Konkurrenten räumten ein: "Verkaufen kann er." Ein Vertreter der Münchener Medienbranche, der den passionierten Porsche-Fahrer selbst kennt, merkte an: "Er ist sehr talentiert, aber ich glaube, am Ende ist er einfach total abgehoben."

In der Krise habe er die echten und die falschen Freunde kennen gelernt, sagte Haffa neulich. Als echter Freund fiel dem Vorstandschef allerdings auf Nachfrage nur einer ein: "Leo Kirch" - Haffas unternehmerischer Ziehvater.

Haffas Bruder Florian trat bereits im vergangenen Jahr als Finanzvorstand und Konzern-Vize von EM.TV zurück. Thomas beteuerte dagegen noch Ende April: "Der Traum ist nicht vorbei." Er habe die Kraft für den Neuanfang. Am 1. August müsste sich Haffa allerdings als Vorstandschef auf der Hauptversammlung wütenden Aktionären stellen. Mit seinem Rücktritt geht er dieser Konfrontation aus dem Weg.

Finanzielle Sorgen machen muss sich Haffa vermutlich nicht. Der Verkaufswert seiner EM.TV-Anteile, die er noch hält, wurde zuletzt auf 180 Millionen Mark geschätzt.

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