Freitag, 16. November 2018

Financial Times Aufstieg

Jetzt ist es amtlich: Andrew Gowers, Gründer der "Financial Times Deutschland", kehrt nach London zurück. Er wird Chefredakteur des Mutterblattes.

Andrew Gowers
Andrew Gowers

Hamburg/London - Am Donnerstagnachmittag gab die Financial Times Group bekannt, dass Gowers Ende September Nachfolger des bisherigen FT-Editors Richard Lambert wird. Gowers selbst reagierte auf die Ernennung zurückhaltend.

Zur Frage, welche Impulse er dem Londoner Traditionsblatt geben wolle, sagte Gowers lediglich: "Die FT ist unglaublich erfolgreich und hat eine Spitzenmannschaft. Ich gehe mit einer gewissen Demut an diese große Herausforderung heran." Die "FT" gilt neben dem "Wall Street Journal" als wichtigste Finanz- und Wirtschaftszeitung im angloamerikanischen Sprachraum.

Gowers Vorgänger Lambert bleibt der FT bis Ende des Jahres als Autor und Berater verbunden. Gerüchten zufolge soll er eine Position in der Regierung von Premierminister Tony Blair erhalten.

Keine Notlösungen bei der "FTD"

Neue Chefredakteure der "FTD" werden die bisherigen Stellvertreter Christoph Keese und Wolfgang Münchau. Berichte, wonach Keese und Münchau lediglich eine Notlösung seien, nannte Gowers "freie Erfindungen". Die "FTD" werde bereits heute von Keese und Münchau operativ geleitet. "Beide sind hochqualifiziert und waren meine erste Wahl", sagte Gowers.

Auch Branchengerüchte, wonach der deutschsprachige Ableger des lachsrosa Finanzblattes mit seiner Abberufung nach London vor dem Aus stehe, bezeichnete Gowers als "absurd". Seine neue Aufgabe bedeute im Gegenteil eine "Heraufstufung der 'FTD' im Herzen der Financial Times", sagte der 43-Jährige, der im Impressum der Financial Times Deutschland künftig als Herausgeber zu finden sein wird. Die Rolle der "FTD" in der FT-Gruppe sei nun stärker als je zuvor.

Fruchtbare Zusammenarbeit

Nach Ansicht von Gowers zeigt auch die Auflagenentwicklung, dass die Zusammenarbeit von "FT" und "FTD" "ein voller Erfolg" sei. Vor dem Start der "FTD" habe die englischsprachige "FT" 22.000 Exemplare in Deutschland verkauft. Nun liege die verkaufte Auflage beider Zeitungen zusammen in Deutschland bei über 100.000 Exemplaren.

Die "Financial Times Deutschland" ist am 21. Februar 2000 erstmals erschienen. Ziel der Anteilseigner Gruner + Jahr (Bertelsmann) und der britischen FT Group (Pearson) ist es, mit dem Blatt in einem Zeitraum von vier bis fünf Jahren schwarze Zahlen zu schreiben. Dazu benötigt die "FTD" eine verkaufte Auflage von 120.000 Exemplaren täglich. Im ersten Quartal 2001 lag die "FTD"-Auflage laut IVW bei 70.248 Exemplaren, rund die Hälfte davon im Abo. Bis Ende 2001 ist eine Auflage von 80.000 Exemplaren angepeilt.

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