Montag, 25. Juli 2016

Chat-Bericht Assessment-Center

Psychologe und AC-Spezialist Ernst Fay mit Erfolgstipps für den Sprung über die Einstiegshürde.

mm:

Herr Fay, gibt es Ihrer Erfahrung nach so etwas wie eine "Goldene Regel" für Bewerber, die sich in einem Assessment-Center behaupten müssen?

Experte Ernst Fay: Wenn ich wirklich nur einen einzigen Tipp geben darf: Seien Sie, wer Sie sind. Spielen Sie auf keinen Fall eine Rolle vor.

mm: Bedeutet das auch, dass ich mich nicht weiter auf ein AC vorbereiten kann oder sollte?

Experte Ernst Fay: Nein. Das bedeutet es nicht. Sie können Sich nicht nur vorbereiten, meines Erachtens müssen Sie sich vorbereiten. Wie diese Vorbereitung aussehen kann, darauf werden wir an anderer Stelle sicher noch zu sprechen kommen.

Werner: Viele haben Angst vor einem AC. Ist das beabsichtigt?

Experte Ernst Fay: Nein. Auf gar keinen Fall. Sollten Sie Angst haben, dann hoffe ich, dass wir sie hier ein bisschen abbauen können. Ziel des veranstaltenden Unternehmens ist es vielmehr, eine Art Werbeveranstaltung aus dem AC zu machen, gerade bei der AC-Form, über die wir hier sprechen: ACs für angehende Trainees.

Werner: Trotzdem wird ein "Mythos AC" aufgebaut.

Experte Ernst Fay: Ein AC ist heute aus der Welt eines in den Beruf eintretenden Hochschulabsolventen nicht mehr wegzudenken. Sollte es bei ihnen mystischen Charakter haben, dann befreien Sie sich davon.

Michael: Gibt es Seminare, in denen man erlernen kann, mit einer Ausnahme-Situation wie dem AC umzugehen?

Experte Ernst Fay: Es gibt Universitäten, die solche Seminare oder "Probe-ACs“ anbieten; zum Teil auch Unternehmen, die das dann auch nutzen, um in Kontakt mit potenziellen künftigen Mitarbeitern zu kommen.

Ath: Wie aussagefähig ist eigentlich ein AC?

Experte Ernst Fay: Es gibt meines Erachtens ein aussagefähigeres Verfahren als das AC: Die halbjährige Probezeit. Mit anderen Worten: Es ist wohl nichts besseres auf dem Markt als das AC.

Erlkoenig: Gibt es Langzeit-Studien, die den Erfolg der Personalsuche über das AC belegen?

Experte Ernst Fay: Ja, es gibt eine ganz berühmte Studie, die von ATT (einem amerikanischen Telekommunikationsunternehmen) durchgeführt worden ist und die gezeigt hat, dass das AC eine ganz vorzügliche Vorhersagekraft besitzt.

ruthchen: Ist der psychologische Druck, der bei so manchem AC erzeugt wird, nicht übertrieben? Solchen Druck habe ich später im Job doch in der Regel nicht.

Experte Ernst Fay: In ACs, die wir veranstalten, hat der Druck den Stellenwert, den er auch im Berufsalltag hat. Das heißt, es gibt einige Situationen, die für Sie "stressig“ sind. Die meisten jedoch sind - wie im Berufsalltag - eher stressfrei.

Meier: Sind ACs nicht oft eine reine Show-Veranstaltung, in der Kontrahenten sich zumeist verstellen und bestimmte Qualifikationen wie "soziale Kompetenz" untergehen?

Experte Ernst Fay: Jede Einweisung von Beobachtern eines ACs zielt darauf ab, das zu vermeiden. In einem guten AC wird der Showman als solcher entdeckt.

mm: Was ist eigentlich dran an dem vielzitierten "Ersten Eindruck", der den Ausschlag geben soll?

Experte Ernst Fay: Ich persönlich halte die Fähigkeit, einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen, geradezu für eine Kernkompetenz: You don't get a second chance to make a good first impression.

mm: Wenn der "Erste Eindruck" schlecht ist, sind dann "Hopfen und Malz" verloren?

Experte Ernst Fay: Auf gar keinen Fall. Aber es wird schon geschaut, wie gut Sie in der Lage sind, ein Publikum für sich einzunehmen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn Sie zum Beispiel eine Aufgabe übernehmen, in der Sie das Unternehmen nach außen vertreten. Doch ist dies natürlich nicht alles, was in einem AC abgeprüft wird. Die Beobachter sind gehalten, mehr als diesen ersten Eindruck wahrzunehmen - und in der Regel schaffen sie das auch.

Assessment-Center

Psychologe und AC-Spezialist Ernst Fay mit Erfolgstipps für den Sprung über die Einstiegshürde.

Weiter zum 2. Teil des Chat-Berichts: Wissen, was man will

3. Teil des Chat-Berichts: Effizienz dominiert im AC

4. Teil des Chat-Berichts: Vom AC profitieren beide Parteien

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