Mittwoch, 19. Dezember 2018

Unternehmerin des Jahres Innegrit Volkhardt

Die 35-Jährige Managerin hat die Luxushotels ihrer Familie - darunter den "Bayerischen Hof" in München - binnen weniger Jahre in die Spitzengruppe der Nobelherbergen geführt. Ausgezeichnet, sagen die Juroren.

Innegrit Volkhardt, Unternehmerin des Jahres 2000
DPA
Innegrit Volkhardt, Unternehmerin des Jahres 2000

München - Als sie mit 27 Jahren das väterliche Luxushotel in München übernahm, hatte sie gerade seit zwei Tagen ihr Betriebswirtschaftsdiplom in der Tasche. Binnen fünf Jahren hat Innegrit Volkhardt die Umsätze des "Bayerischen Hof" um ein Viertel gesteigert. Der Gault-Millau kürte das Haus im vergangenen Jahr zum "Hotel des Jahres". Am heutigen Mittwoch erhält die inzwischen 35 Jahre alte Geschäftsfrau den vom Champagnerhaus Veuve Clicquot ausgelobten Preis als Unternehmerin des Jahres 2000.

Innovationsstark, standhaft und mit dem nötigen Biss

Die Juroren - unter ihnen Siemens-Vorstand Heinrich von Pierer und der Verleger Hubert Burda - zollten der Jungunternehmerin größten Respekt. "Direkt von der Hochschule kommend hat sie zwei Privathotels erster Klasse mit 800 Mitarbeitern und 100 Millionen Umsatz erfolgreich gemanagt", lobte die Jury. Volkhardt habe Innovationsstärke, Stehvermögen - und den berühmten Biss.

Als Innegrit Volkhardt 1992 den "Bayerischen Hof" und das "Hotel Zur Tenne" in Kitzbühel übernahm, trat sie ein Familienerbe an: Seit 1897 ist das Münchner Luxushotel im Besitz der Volkhardts, in vierter Generationen wird es von einem Familienmitglied geführt.

Erfolg durch Mut zur Modernisierung

Doch die junge Chefin erkannte schnell, dass ihr Haus dringend umgebaut und neu positioniert werden musste. Sie erarbeitete einen 10-Jahres-Plan mit einem Investitionsvolumen von mehr als 70 Millionen Mark. Die Zimmer und Suiten wurden neu zugeschnitten und vollständig renoviert, es entstand eine Galerie zu Ausstellungszwecken und das Dachgeschoss wurde ausgebaut.

Für ihre umfangreichen Investitionen wurde Volkhardt schnell belohnt: Nach stagnierenden Umsätzen zwischen 1989 und 1994, ging es seit 1995 deutlich bergauf: Die Umsätze stiegen zwischen 1994 und 2000 von 70,7 Millionen auf 94,1 Millionen Mark. Das Münchner Luxus-Hotel war im vergangenen Jahr zu 83 Prozent ausgebucht.

Mit Leib und Seele Hotelmanagerin

Ihre Arbeit beschreibt Volkhardt mit den Worten des Luxushoteliers César Ritz, die sie sich als ihr Credo zu Eigen machte: "Ein Hotel ist wie eine schöne Frau, die jedes Jahr neuen Schmuck benötigt." Und beim "Schmuck" für ihren "Bayerischen Hof" lässt sie ihrer Kreativität freien Lauf. "In diesem Sommer werden wir eine Glaskuppel über den Innenhof bauen und die Hotelhalle, den Festsaal und das Schwimmbad renovieren", erläutert die Unternehmerin die nächsten Projekte in der unendlichen Geschichte der Umbauarbeiten.

Für Volkhardt ist der Beruf Berufung: "Ich liebe meinen Job für seine Vielfältigkeit und die 1000 täglichen Überraschungen. Daher gibt es für mich auch keine Trennung zwischen Berufs- und Privatleben", sagt die Unternehmerin. Die beiden Personen, denen sie am meisten Respekt zollt, sind ihr verstorbener Vater und der Gastronom Gerd Käfer. "Ich bewundere diese Menschen für ihren Willen und ihre unerschöpfliche Energie."

Daran mangelt es Innegrit Volkhardt allerdings auch nicht: Neben ihrem Arbeitspensum von etwa 70 Stunden wöchentlich geht sie an sechs Tagen in der Woche morgens um sieben reiten. Und Durchsetzungsstärke scheint ihr auch nicht zu fehlen: Ihren Führungsstil bezeichnet die ausgezeichnete Unternehmerin lachend als "im Wunsche kooperativ".

© manager magazin 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH