Dienstag, 11. Dezember 2018

Leutheusser Neue FDP-Chefin in Bayern

Fünf Jahre nach ihrem Rücktritt als Justizministerin in Bonn will die Politikerin als neue FDP-Chefin in Bayern die gebeutelte Landespartei aus ihrem Nischendasein führen.

Dingolfing - Die zweite Karriere soll es werden - Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat sich dazu den Freistaat Bayern ausgesucht. Hier will sie der CSU von Ministerpräsident Edmund Stoiber Paroli bieten.

Nach dem Parteitag am Wochenende im niederbayerischen Dingolfing ist diese Aufgabe schwerer als jemals zuvor: Der Machtkampf um das Führungsamt hat die Partei in eine Zerreißprobe getrieben. Ein beispielloses Hauen und Stechen sorgte bei dem Delegiertentreffen für Verletzungen.

Leutheusser-Schnarrenberger will CSU Paroli bieten
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Leutheusser-Schnarrenberger will CSU Paroli bieten
Anhänger des knapp abgewählten Landeschefs Hermann Stützer - 201 zu 193 Stimmen - werfen Leutheusser vor, sie habe sich wider Willen von ihren Berliner Parteifreunden in die Kandidatur drängen lassen, um in Bayern einen Brückenkopf für die Entmachtung von Parteichef Wolfgang Gerhardt zu schaffen. Zudem wolle Leutheusser das Amt als Sprungbrett für angebliche Ambitionen auf einen der Vizepräsidentenposten im Bundestag nutzen.

"Völliger Quatsch", kontert die Bundestagsabgeordnete aus Starnberg. Ihre Truppen hoffen, dass die als Galionsfigur der Linksliberalen geltende Leutheusser-Schnarrenberger der Partei neue Popularität verschafft. "Wir haben jetzt die bekannteste Oppositionspolitikerin des Freistaats an der Spitze", jubelt der neue Landesvize Joachim Spatz. "Das wird der FDP einen kräftigen Schub geben."

Auf den alten Landeschef kann Leutheusser kaum zählen. Vor zwei Jahren, als es der Partei noch "miserabel" ging, sei sie nicht bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen, wettert er vor den Delegierten. Für Ärger hatte zudem gesorgt, dass Leutheusser ihre Kandidatur nur wenige Tage vor dem Parteitag anmeldete. Noch im September hatte sie sich bereit erklärt, bei einer Tandemlösung auf dem hinteren Sitz Platz zu nehmen.

Tatsächlich hat Stützer in seinen zwei Amtsjahren einiges geschafft. Nach dem katastrophalen Wahlergebnis von 1,7 Prozent bei der Landeswahl 1998 brachte er Ordnung in die heruntergewirtschaftete Partei. Der Schuldenberg von 750 000 Mark ist inzwischen auf weniger als die Hälfte abgebaut. Erstmals seit 20 Jahren gibt es bei der Mitgliederentwicklung wieder einen Silberstreif am Horizont.

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