Samstag, 18. August 2018

Struktur des Managements gefährdet Autobauer Alt, männlich, zu viel Benzin im Blut

Grau in Grau: Manager der deutschen Automobil- und Zulieferindustrie bei einer gemeinsamen TTIP-Initiative

Benzin im Blut ist das primäre Kriterium für eine Karriere im Automobilsektor - und das wird zum Problem. Denn die Führungsgremien der Automobilindustrie sind überaltert, männlich und kaum vorbereitet auf den digitalen Wandel.

Dies macht eine aktuelle Studie der Personalberatung Russell Reynolds Associates transparent; sie analysiert die Hintergründe von knapp 500 Vorständen und Aufsichtsräten der weltweiten Zuliefer- und Erstausrüsterindustrie (OEM).

Glaubt man den Personal-Experten, hat lediglich einer der 230 untersuchten Aufsichtsräte profunde digitale Expertise - der Rest taumelt im analogen Nirvana. Mehr als die Hälfte der Top-Entscheider geben zu, dass es niemanden im Unternehmen gibt, der eine Digitalstrategie aufsetzen könnte.

Auch werden die Chefetagen weiterhin von Männern dominiert, obwohl Frauen nachweislich einen sehr großen Einfluss auf die Kaufentscheidungen bei Autos haben. Gerade einmal 2 Prozent der Automobilbranche kann sich über einen weiblichen CEO freuen, bei den Aufsichtsräten liegt der Frauenanteil bei 15 Prozent. Doch an Vielfalt mangelt es nicht nur in Bezug auf das Geschlecht: Auch beim Alter der Entscheider bildet sich ein ungesundes Cluster. Zwei Drittel der Aufsichtsräte sind 60 Jahre und älter. Unter 50 Jahre alt ist einer von zwanzig.

Die alten Herren schmoren im eigenen Saft: Das Gros der Chefsessel wird weiterhin intern besetzt, nur 8 Prozent der Vorstandschefs kommen nicht aus der Automobilindustrie. "Eine alarmierende Zahl in Zeiten der digitalen Disruption. Die Chefs der Automobilkonzerne von morgen müssen mehr als Benzin im Blut haben", sagt Walter Friederichs, Global Leader Automotive bei Russell Reynolds. "Auch auf höchster Führungsebene sind die Erfahrungen aus anderen Industrien künftig unverzichtbar."

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH