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10. Oktober 2005, 12:00 Uhr

Karriereberater

Vorsicht vor Scharlatanen

Die Nachfrage nach professionellen Karriereberatern nimmt stetig zu. Doch der Markt dieser Ratgeber ist extrem unübersichtlich. Wie also findet man den seriösen Meister des Faches, der zudem nur niedrige Stundensätze verlangt?

Frankfurt am Main/Hamburg - Frust am Arbeitsplatz, ein Jobwechsel oder der Wunsch, die eigene Karriere zu planen: In solchen Fällen hilft ein professioneller Karriereberater, auch Coach genannt.

Coach im Einsatz: Der Markt der Karriereberater ist arg unübersichtlich
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Coach im Einsatz: Der Markt der Karriereberater ist arg unübersichtlich

Weil seit einigen Jahren immer mehr Anbieter auf den Markt drängen, ist die Suche nach dem passenden Berater aber nicht einfach. Und offenbar arbeiten nicht alle seriös. "Das Telefonbuch oder eine Homepage allein hilft bei der Auswahl nicht weiter", sagt Uwe Böning, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Bundesverbands Coaching (DBVC) in Frankfurt und Inhaber einer Managementberatung.

Da der Begriff Karrierecoach nicht geschützt sei, könne sich jeder in der Branche betätigen, ohne vorher bestimmte Standards nachzuweisen. Vorsichtigen Schätzungen der Berufsverbände zufolge gibt es rund 5000 Berater in Deutschland, die Berufscoachings zu ganz unterschiedlichen Schwerpunkten anbieten.

Stärken herausarbeiten

In den vergangenen Jahren seien immer mehr private Ausbildungsinstitute und Coaching-Anbieter auf den deutschen Markt gedrängt. Seit den späten neunziger Jahren würden Coachings auch in Deutschland stärker nachgefragt, sagt Uwe Böning. Der Grund seien vor allem steigende Anforderungen in vielen Jobs. "Viele haben Probleme, mit der Dynamik am Arbeitsmarkt mitzukommen", sagt Axel Janßen, Vorstandsmitglied im Deutschen Verband für Coaching und Training (dvct) in Hamburg und selbst Karrierecoach.

Die Sicherheit etwa, ein ganzes Berufsleben lang im selben Unternehmen zu verbringen, gebe es nicht mehr. "Da will dann auch der Einzelne wissen, wie er da mithalten und seine Karriere planen kann." Ein Coaching könne dabei helfen, indem es die eigenen Stärken und Schwächen heraus arbeitet oder deutlich macht, wo genau die eigenen beruflichen Ziele liegen. So ließen sich Fragen beantworten wie "Soll ich den Job wechseln?" oder "Wie kann ich mein Führungsverhalten verbessern?".

Auch der Wunsch, die eigene Ausstrahlung zu verbessern oder Probleme mit dem Zeit- oder Arbeitsmanagement trieben seine Kunden um, sagt Uwe Böning. Neben Top-Managern nehmen vor allem leitende Beamte sowie Fach- und Führungskräfte heute Coachings in Anspruch.

Dazu zählten vor allem mittlere Angestellte in akademisch qualifizierten Berufen, etwa Ingenieure, Kaufleute, Vertriebsmitarbeiter und Juristen. An Lebenslauf oder Ausbildung allein können Kunden einen seriösen Coach allerdings nicht erkennen. Einen eigentlichen Studiengang für Laufbahnberater etwa gibt es nach Angaben der Verbände nicht. Die meisten Coaches hätten aber ein Studium der Psychologie, der Sozialwissenschaften, Pädagogik oder Betriebswirtschaft absolviert.

Etablierte Anbieter verfügten über Erfahrung im Coaching und häufig auch über eine Zertifizierung, wie sie von den großen Berufsverbänden ausgegeben wird. Für ein effektives Coaching muss aber auch die Chemie zwischen Berater und Kunde stimmen.

Ein guter Coach verstehe sich als neutraler Ratgeber und begleite den Kunden bei der Lösung eines Problems "auf Augenhöhe", sagt Bernhard Juchniewicz, Vorsitzender der European Coaching Association (ECA) in Düsseldorf. "Er ist kein Lehrmeister, sondern ein Partner, der seine Erfahrung einsetzt, um dabei zu helfen, dass jemand seine Persönlichkeit weiter entwickelt." Ob ein Vertrauensverhältnis - oder zumindest ein gutes Arbeitsverhältnis - zustande kommen kann, sei spätestens nach der ersten Sitzung klar.

"Zehn Sitzungen sind schon viel"

"Mein Bauchgefühl muss stimmen", sagt Axel Janßen. Zur ersten Sitzung sollte aber auch der Kunde Klarheit darüber mitbringen, was für ihn Anlass und Ziel der Beratung sind. Unseriös sind laut Axel Jansen unhaltbare Versprechen wie "Persönlichkeitsbildung in drei Stunden" oder "Ich mache Sie in 48 Stunden erfolgreich", die manche Anbieter bisweilen versprechen.

Aber auch wenn ein Coach Monate lange Begleitung mit wöchentlichen Sitzungen anbietet, sei Vorsicht angebracht. Ein gutes Coaching müsse nicht mehrere Monate dauern. "Zehn Sitzungen sind schon viel", sagt Bernhard Juchniewicz. Alles, was darüber hinaus geht, sei eher "ein Fall für die Therapie", so Janßen. Üblich seien ohnehin ganztägige Seminare oder mehrere Halbtagssitzungen, um Fehlzeiten im Job niedrig zu halten. Üblich sind in der Branche so genannte Anfangs- oder Vorgespräche von 30 Minuten bis zu einer Stunde Dauer.

Sie dienen dem Kennenlernen und ermöglichen beiden Seiten, Wünsche und Ziele auszuloten und die gegenseitige Sympathie abzuschätzen. Den Verbänden zufolge bieten seriöse Coaches diese Vorgespräche kostenlos an. Uwe Böning empfiehlt daher jedem, ein Konzept von zwei oder drei Coaches einzuholen. "Das ist möglich und zulässig." Und es ist angesichts der in der Branche üblichen Honorare offenbar auch unerlässlich - zumindest für den, der ein Coaching nicht von seinem Arbeitgeber bezahlt bekommt. Laut Uwe Böning liegt der durchschnittliche Stundensatz bei rund 140 Euro.

Thorsten Wiese, DPA


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