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16. August 2004, 10:32 Uhr

Karriere

Mut zum Neuanfang

Wer kreuzunglücklich in seinem Job ist, sollte sich nicht vor einem Wechsel scheuen - auch nicht in Zeiten schwächelnder Wirtschaft. Allerdings sollte der Wechsel zu einem anderen Unternehmen oder in eine andere Branche sorgfältig geplant werden.

Berlin - Solange die Wirtschaft schwächelt, herrscht auch auf dem Arbeitsmarkt Flaute. Denn wenn Unternehmen keine zusätzlichen Stellen schaffen, halten sich in der Regel auch diejenigen Arbeitnehmer zurück, die sich unter anderen Umständen längst nach einem neuen Job umgesehen hätten. Nicht immer ist diese Bunkermentalität von Vorteil.

  Jobwechsel geglückt:  Vorher ist an einiges zu denken
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Jobwechsel geglückt: Vorher ist an einiges zu denken

Mut zum Wechsel empfiehlt sich nach Einschätzung von Experten in jedem Fall dann, wenn die Lust an der Arbeit endgültig zu verschwinden droht. Ein Neustart ist dann nicht unbedingt die unsichere Alternative.

Selbst wer nicht schon bald kündigen will, kann von entsprechenden Gedankenspielen profitieren: "Es kann nie schaden, einen Plan B in der Tasche zu haben", sagt Jürgen Goldfuss, Coaching-Experte aus Spaichingen (Baden-Württemberg). Viele verdrängten das Thema Stellenwechsel allerdings und klebten an ihrem Arbeitsplatz. "Der letzte Mut fehlt oft", sagt der Unternehmensberater und Buch-Autor.

Aber auch bei denjenigen, die in Gedanken schon mit einer Kündigung liebäugeln, sei Risikobereitschaft nicht gerade ausgeprägt. "Die Deutschen tun sich damit wahnsinnig schwer", bestätigt die Karriereberaterin Angelika Gulder aus Kriftel (Hessen). "In den USA sieht man das viel relaxter und wechselt die Stelle schneller." Diese verbreitete Angst vor dem Neuen mache psychologisch auch Sinn, weil sie vor voreiligen Entscheidungen schützt. "Aber wer weiß, dass er eigentlich etwas ganz anderes machen möchte und sich nur nicht traut, tut sich keinen Gefallen."

Andererseits sollte der Stellenwechsel sorgfältig geplant werden: "Es reicht nicht, weg zu wollen, man muss auch wissen, wohin", warnt Goldfuss. "Das A und O ist, sich zu fragen: Wie stelle ich mir meine künftige Stelle vor?", erklärt Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie in Berlin. Dabei sei es zwar gut, Träume zu haben, allerdings auch vernünftig, zu überlegen, wie sie sich umsetzen lassen. "Man sollte schon auf dem Teppich bleiben." Nicht selten seien die Vorstellungen von den eigenen Möglichkeiten eher unrealistisch: "Viele gucken die Sportschau, aber nur wenige können deswegen so springen wie Sven Hannawald."

Bei der Suche nach dem neuen Job sei deshalb "Marktforschung" wichtig: "Man muss herausfinden, was gerade bei welchen Arbeitgebern gesucht ist." Grundsätzlich geklärt werden sollte, ob eher ein kleiner oder ein großer Schritt ansteht: Gerade wer mit seinem Arbeitgeber zufrieden ist, ist mit einer Veränderung innerhalb des Unternehmens vielleicht am besten bedient.

"Aber auch bei einem Firmenwechsel macht man unter Umständen im Wesentlichen das Gleiche wie vorher", sagt Hesse. "Oder man wechselt zwar die Branche, aber nicht den Beruf." Allerdings sei nicht jeder gute Autoverkäufer auch ein guter Buchverkäufer. Eine kritische Bestandsaufnahme der eigenen Stärken schützt vor Fehlentscheidungen.

Den Job zu wechseln, ist jedenfalls auch in Zeiten, in denen Stellen nicht auf dem Silbertablett serviert werden, nicht automatisch riskant: "Wer den richtigen Job hat, hat auch eher einen sicheren Job", betont Angelika Gulder. "Diejenigen, die am falschen Platz arbeiten, werden im Fall der Fälle als Erste gekündigt."

Überlegenswert ist nach Einschätzung der Experten auch, sich selbstständig zu machen. "Wer an seinem Arbeitsplatz kreuzunglücklich ist und eine passende Idee hat, sollte das ruhig in Erwägung ziehen", sagt Gulder. Die Erfolg versprechende Geschäftsidee findet sich dann manchmal auf Umwegen: "Ich habe mal eine Sekretärin beraten, die sich selbstständig machen wollte", erzählt sie. "Als erstes dachte sie an einen Sekretariatsservice, schließlich hat sie eine Firma gegründet, die Kletterreisen anbietet. Das deckt jetzt alle ihre Leidenschaften ab."

Von Andreas Heimann, dpa


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