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09. Dezember 2003, 16:17 Uhr

Steiff

"Das Beste ist gerade gut genug"

Die Produktion in Billiglohnländer verlagern? "Das wäre unvorstellbar", sagt Friedhelm Steiff. Auf eine Tradition von fast 125 Jahren blickt der Familienbetrieb zurück. Der Erfolg begann mit einem Plüschbären, der den Namen des damaligen US-Präsidenten Roosevelt trug - Teddy.

Giengen - Das Familienunternehmen Steiff setzt auf den Standort Deutschland: "Die Familie kennt ihre Wurzeln und ist ihnen verpflichtet", betont Friedhelm Steiff, Vorsitzender des Firmenbeirats und früher selbst Geschäftsführer.

  "Knopf im Ohr":  Das Markenzeichen unterscheidet den Steiff-Hund von gewöhnlichem Getier
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"Knopf im Ohr": Das Markenzeichen unterscheidet den Steiff-Hund von gewöhnlichem Getier

Trotz höherer Kosten wird fast komplett in Deutschland produziert, am Stammsitz im schwäbischen Giengen an der Brenz. Lediglich einige Zulieferungen kommen aus Tunesien und Portugal. Eine Verlagerung der Fertigung ins Ausland kommt für das Unternehmen mit rund 1.000 Mitarbeitern nicht in Frage - "schon gar nicht des Hauptsitzes mit der Entwicklung", sagt Steiff. "Das wäre unvorstellbar!"

In Giengen fertigte Margarete Steiff 1880 das erste Stofftier und legte damit den Grundstein für den weltweiten Erfolg. Der Urahn des Teddybären ist eigentlich ein Elefant. Margarete Steiff fertigte 1880 ein kleines Nadelkissen in Form eines Filzelefanten - ein Weihnachtsgeschenk für ihre Schwägerin.

Der erste Bär war ein Elefant

Doch schnell entwickelte sich das Tierchen zum beliebten Spielzeug bei Margaretes Neffen und Nichten. Und auch die anderen Kinder in der Ledergasse wollten ein "Elefäntle" haben. Vier Generationen später tummeln sich Steiff-Tiere in Kinderzimmern auf der ganzen Welt, die kuschligen Kultobjekte werden von Kindern geliebt und von Erwachsenen gesammelt.

  Antik:  Unikat eines Steiff-Clown-Teddys zusammen mit einem fast 100 Jahre alten Steiff-Teddybären
  Weit verbreitet:  Der seit 1904 eingenähte Knopf im Ohr hat einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent
  Rekordverdächtig:  Der 77 Jahre alte Bär wurde von einer Händlerin aus den USA zum Preis von 156.200 Euro ersteigert
Steiff-Teddybären: Tradition verpflichtet
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Mit diesem Erfolg hätte damals niemand gerechnet, sagt Friedhelm Steiff über die harte Arbeit und den zähen Willen seiner Großtante Margarete. Die Firmengründerin war von klein auf an den Rollstuhl gefesselt, ihren rechten Arm konnte sie kaum belasten. Dennoch lernte sie Zitherspielen und gab Unterricht.

Mit dem ersten selbst verdienten Geld kaufte sie eine Nähmaschine und eröffnete ein Filzwarenkonfektionsgeschäft. Als die Nachfrage nach dem "Elefäntle" immer größer wurde, erkannte Margaretes Bruder die wirtschaftliche Chance. Affen, Esel, Kamele und andere Tierarten wurden hergestellt. 1893 erwirtschaftete die Firma mit vier Mitarbeiterinnen und zehn Heimnäherinnen bereits einen Umsatz von 40.000 Mark.

55 PB (55 Zentimeter hoch, Plüsch, beweglich)

Vom Bären wollte Margarete Steiff anfangs nichts wissen. Ihr Neffe Richard hatte nach Zeichnungen aus dem Stuttgarter Zoo 1902 einen Bären angefertigt und so lange am Muster gearbeitet, bis auch die Tante überzeugt war. Doch das Stofftier namens "55 PB" (55 Zentimeter hoch, Plüsch, beweglich) ließ sich nur schwer verkaufen.

  Es begann mit einem "Elefäntle":  Heute hat Steiff mehr als 800 verschiedene Figuren im Sortiment. Zu ihnen gehören Donald Duck und die Tiere der Arche Noah, hier zusammen mit dem Steiff-Geschäftsführer Bernhard M. Rösner
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Es begann mit einem "Elefäntle": Heute hat Steiff mehr als 800 verschiedene Figuren im Sortiment. Zu ihnen gehören Donald Duck und die Tiere der Arche Noah, hier zusammen mit dem Steiff-Geschäftsführer Bernhard M. Rösner

Auf der Leipziger Frühjahrsmesse wurde der Bär bereits wieder eingepackt, als ein Amerikaner auf der Suche nach einem neuen Spielzeug gleich 3000 Stück bestellte. Den Namen erhielt der Bär von US-Präsident Theodore Roosevelt, genannt Teddy. Dieser weigerte sich 1902 auf einem Jagdausflug, einen angebundenen Jungbären zu erschießen, woraufhin er auf einer Karikatur mit einem kleinen Bären zu sehen war. Der Bärenboom begann.

Heute gilt beim Unternehmen Steiff noch immer Margaretes Motto: "Für Kinder ist das Beste gerade gut genug." Die Familie habe vom ersten Tag an stets auf erstklassige Qualität geachtet, betont Friedhelm Steiff, Vorsitzender des Firmenbeirats und früher selbst Geschäftsführer.

Schielt er? Sitzen alle Nähte?

Mohair und Plüsch werden hauptsächlich verarbeitet, Materialien und Farben sind ungiftig, schwer entflammbar und meist waschbar. Die Figuren seien mit so viel Liebe gefertigt, wie Kinder später dem "Freund fürs Leben" entgegen brächten, sagt Steiff.

Produziert wird hauptsächlich in der Stammfabrik in Giengen. Je nach Figur sind rund 30 Arbeitsschritte nötig. Nähen, stopfen, sticken oder bemalen - das Meiste wird in Handarbeit erledigt. Und schließlich wird jede der rund 1,5 Millionen Figuren, die das Werk jährlich verlassen, streng kontrolliert: Schielt sie? Sitzen alle Nähte? Bewegen sich Arme und Beine richtig? Erst dann gibt es den "Knopf im Ohr", der seit 1904 das Markenzeichen von Steiff ist und heute laut Studien einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent hat.

Mehr als 800 verschiedene Figuren hat Steiff im Sortiment - von wenigen Zentimetern bis zu rund 3,50 Metern Größe. Vom Teddybär entstanden über die Jahrzehnte mehr als 15.000 Modelle. "Von den 120 Jahre alten Erfindungen bei der Gestaltung der Schnitte lebt die Firma heute noch", erläutert Friedhelm Steiff.

Das Unternehmen mit knapp 1000 Mitarbeitern erwirtschaftete 2002 einen Gewinn von fünf Millionen Euro. Vom Umsatz von 106 Millionen Euro stammt mehr als die Hälfte aus dem Ausland. Großbritannien, USA und Japan sind die wichtigsten Exportmärkte.

215.000 Euro für einen Steiff-Bären

Auf der ganzen Welt gibt es Steiff-Clubs, deren Mitgliedern Sonderanfertigungen angeboten werden. Der Klassiker Teddy erzielte bei Versteigerungen immer wieder Rekordsummen: Im Jahr 2000 zahlte etwa der japanische Sammler Jesse Kim fast 215.000 Euro für einen Steiff-Bären.

  Bis zu 3,50 Meter:  Vom Teddybär entstanden über die Jahrzehnte mehr als 15.000 Modelle
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Bis zu 3,50 Meter: Vom Teddybär entstanden über die Jahrzehnte mehr als 15.000 Modelle

Heute stellt die Firma jährlich rund 1,5 Millionen Tiere und Puppen her. Bis zum 125-jährigen Firmenjubiläum 2005 entsteht auf dem weitläufigen Firmenareal ein Erlebnispark. Auch das ist für Friedhelm Steiff ein Bekenntnis zum Standort Deutschland.

Allerdings sieht der Großneffe der Firmengründerin zunehmend Schwierigkeiten. Der Druck auf Familienunternehmen wachse, die nachhaltige Finanzierung werde schwieriger, sagt Steiff. Eine mögliche höhere Erbschaftssteuer sei "ein weiterer Baustein in der Last, die auf Familienunternehmen drückt".

Seit mehr als 120 Jahren ist das Unternehmen in Familienbesitz - für Steiff ein "sehr großer Vorteil". Das Sortiment sei eng mit der Familie verbunden. Der Familienbesitz bürge auch für die hohe Qualität: Nur beste Materialien werden - größtenteils per Hand - verarbeitet.

Das schlägt sich natürlich im Preis nieder. "Unsere Tiere waren zwar noch nie billig, aber sie sind ihr Geld wert", sagt Friedhelm Steiff. "Jemandem ein Steiff-Tier zu schenken ist etwas Besonderes." Daran hält er sich auch selbst, etwa wenn er einem Schulfreund zum 70. Geburtstag einen Bären schenkt.

"Wir sind die Premiummarke im Spielzeugsektor"

Vor der zunehmenden Billigkonkurrenz braucht sich Steiff nicht zu fürchten, wie Geschäftsführer Friedhelm Brandau ausführt. "Wir sind die Premiummarke im Spielzeugsektor." Die Qualitätsprodukte seien durch Farben, Formen und Größen auf verschiedene Kundengruppen abgestimmt. So gibt es etwa spezielle rosafarbene Bärchen für Japan.

Die Margarete Steiff GmbH ist heute im Besitz von rund 40 Gesellschaftern. Bis vor 20 Jahren stand mit Friedhelm Steiff ein Nachfahre der Firmengründerin an der Spitze. Weil sich die Familie aber immer weiter verzweigt habe, kam man der Gefahr von Streitereien durch den Entschluss zuvor, die Leitung an eine externe Geschäftsführung abzugeben. "Ich musste innerlich mit mir kämpfen, ob das der richtige Weg ist", erinnert sich Steiff.

Heute ist er mit der Lösung sehr zufrieden: "Wir haben das Erbe, den alten Schatz, in Hände gegeben, die mit der gleichen Begeisterung dafür tätig sind." Außerdem treffe die Familie wichtige Entscheidung selbst und sei über die Spielwarenfabrik und die beiden technischen Firmen gut informiert.

Liebe und Faszination für Steiff-Tiere gibt nach Friedhelm Steiffs Schilderungen eine Generation an die nächste weiter. Deshalb könnte sich der ehemalige Chef auch vorstellen, "dass irgendwann aus der Familie wieder ein Geschäftsführer kommt".

Irene Preisinger, AP


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